Dreikönigstreffen von SPD und CSU

Reiter spricht - CSU fordert - Ude knipst!

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Volles Haus im Hofbräukeller: OB Reiter begeistert die SPD.

München - Auf ihren jeweiligen Dreikönigstreffen geben sich die Vertreter von SPD und CSU kämpferisch. OB Dieter Reiter wundert sich über die Abwesenheit seines Amtsvorgängers und Genossen Ude.

Zunächst einmal sagt OB Dieter Reiter (56) beim Dreikönigstreffen seiner SPD etwas nicht. Er begrüßt zwar seine Vorgänger, den „lieben Hans-Jochen“ Vogel (88) und den „lieben Schorsch“ Kronawitter (86), wie es in seinem Manuskript steht, nicht aber den „lieben Christian“. Alt-OB Ude (67) ist nicht in den Hofbräukeller gekommen, sondern schießt bei der Isar-Segnung Fotos. Das überrascht Reiter sehr.

Wo wir schon bei dem sind, was der OB wirklich sagt: Er präsentiert sich seinen Genossen zum Jahresanfang als bürgernah und Sozi durch und durch – der rote Reiter, dein Nachbar und Mitbürger. Das betrifft auch seinen Vorgänger (und den neuen Koalitionspartner CSU): „Ich will noch stärker auf das sozialdemokratische Profil der Stadtpolitik achten.“ Der OB beginnt seine Rede mit einem Mädchen, das ihn gefragt habe, warum die Stadt das Ferienprogramm an Pfingsten eingestampft habe – das Reiter umgehend wieder einführen ließ. Und er endet mit dem Versprechen, alles dafür zu tun, dass sich alle das Leben in der Stadt leisten können: „Das Wohl der Schwachen bestimmt den Erfolg unserer Politik – nicht die Zahl der Millionäre.“ Das kommt an.

Dazwischen arbeitet er die wichtigsten Themen ab: Reiter will mehr Wohnungen bauen und, dass Berlin den Mietspiegel entschärft. Autofahrer sollen etwa beim Parken nicht stärker belastet, sondern der Nahverkehr besser werden. Ansage an die CSU: „Wir werden die Tram-Westtangente bauen. Ich werde Mehrheiten suchen und finden.“ Am meisten Applaus bekommt der OB, als er den eigenen Parteichef Sigmar Gabriel warnt, das Freihandelsabkommen TTIP könne das Münchner Trinkwasser gefährden.

Beim Protest gegen Pegida stockt ihm die Stimme: „Ich bin stolz, OB dieser Stadt sein zu dürfen. Hier wurde die Gegenbewegung ins Rollen gebracht!“

Ude knipst

Ude macht Fotos.

Alt-OB Christian Ude ging heuer gleich zur Isar-Segnung durch den griechisch-orthodoxen Erzpriester Apostolos Malamoussis – und machte Schnappschüsse von der traditionellen Zeremonie. An Dreikönig feiern die Orthodoxen die Taufe Christi, darum segnen sie das Wasser und damit die Gläubigen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) übermittelte Glückwünsche und erinnerte an die orthodoxen Christen aus Syrien, die als Flüchtlinge nach Bayern kommen: „Wir wollen ihnen Schutz und – soweit möglich und nötig – auch eine Zukunft bieten.“

CSU fordert

Singhammer (l.) und Müller.

Beim Dreikönigstreffen der CSU im Augustiner in der Fußgängerzone – übrigens ohne den urlaubenden Bürgermeister Josef Schmid – die Themen Krieg, Armut und Flüchtlinge im Mittelpunkt. Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer eröffnete die Traditionsveranstaltung, auch Staatsminister Ludwig Spaenle begrüßte die Gäste. Als Festredner war Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller angereist. Er hatte eine klare Botschaft im Gepäck: „Ich sage Nein zu Pegida, aber wir müssen differenzieren. Deutschland muss tolerant in der Flüchtlingspolitik sein, sich aber auch um die Sorgen der eigenen Bevölkerung kümmern.“ Man müsse dort handeln, wo alles beginnt – in den Herkunftsländern. „Frieden gibt es nur durch Gerechtigkeit unter den Völkern. Die Menschen wollen nicht zu uns, sondern in ihrer Heimat bleiben. Von dort werden sie vertrieben.“ Man müsse den Flüchtlingen eine Perspektive geben. Müller appelliert an das Handwerk: „Täglich sehe ich kräftige Männer, die auf der Flucht in Deutschland gestrandet sind. Wir müssen sie ausbilden. Danach können sie ihr Land wieder aufbauen“, meint der CSU-Bundesminister.

Wegen der vielen Flüchtlinge fordert er die Stadt auf, mehr Wohnungen zu bauen. Und verspricht: „Wir können die Probleme lösen, wenn wir sie anpacken.“

David Costanzo, Johannes Heininger

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