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Politischer Paukenschlag: So macht Markus Söder Dieter Reiter 2026 wieder zum OB in München

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Von: Christian Deutschländer, Sascha Karowski

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Dieter Reiter mit Markus Söder beim Anstich. Der Ministerpräsident will die Altersgrenze aufheben. Damit könnte Reiter 2026 wieder antreten.
Dieter Reiter mit Markus Söder beim Anstich. Der Ministerpräsident will die Altersgrenze aufheben. Damit könnte Reiter 2026 wieder antreten. ©  Sven Hoppe/dpa

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kokettiert öffentlich damit, die Altersgrenze (67 Jahre) für Kommunalpolitiker aufzuheben. Das hätte Folgen für München. OB Dieter Reiter (SPD) könnte 2026 noch mal antreten.

München - Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bei der Klausur der seiner Landtagsfraktion in Kloster Banz angekündigt, die Altersgrenze von 67 Jahren für Bürgermeister und Landräte in Bayern aufzuheben. Bislang gilt das Alter am Wahltag als ausschlaggebend, Politiker, die zu diesem Zeitpunkt 67 Jahre alt sind, dürfen nicht mehr antreten. Damit eröffnet er OB Dieter Reiter (SPD) die Möglichkeit, bei der Kommunalwahl 2026 wieder anzutreten.

Markus Söder will Altersgrenze für Kommunalpolitiker aufheben - Dieter Reiter könnte wieder kandidieren

Der Rathauschef hatte zuletzt im Interview mit unserer Zeitung mit Verve den Wunsch auf eine weitere Amtszeit vertreten. Die Regel der Altersgrenze sei aus der Zeit gefallen. „Warum muss man bei den einzigen Politikern, die direkt vom Volk gewählt werden, so eine Grenze einziehen? Hält man die Wähler für so unmündig? Für so unfähig zu erkennen, ob ich noch Lust habe oder nicht? Verdammt noch mal, das merken die doch selbst, dann sollen sie mich nicht wählen.“

In der Münchner SPD vernimmt man die Entscheidung Söders mit Wohlwollen - auch aus Eigennutz. „Es eröffnet uns für die Wahl 2026 wesentlich bessere Chancen, als wenn wir mit jemand anderem angetreten wären“, sagt ein Genosse. „Wenn Dieter Reiter 2026 erneut antreten dürfte, würde die SPD das sehr begrüßen“, sagt denn auch Parteichef Christian Köning.

Markus Söder will Altersgrenze für Kommunalpolitiker aufheben, um Grüne als OB in München zu verhindern

Zur Erklärung: Hätte Reiter nicht mehr antreten können, hätte die Partei einen Kandidaten finden müssen. Am Ende hätten vermutlich SPD, CSU und Grüne Chancen gehabt, den Chefposten im Rathaus zu besetzen. Wenngleich der Grünen-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden die besten eingeräumt werden, zumal ihre Partei bei den jüngsten Wahlen massive Zugewinne hat erzielen können.

Und für so manchen Rathaus-Insider weht der Wind auch genau aus dieser Richtung. Söder wolle verhindern, dass eine Grüne in München OB wird, heißt es. „Das ist der Hintergrund. Daher waren doch auch Mitglieder des Kabinetts beim OB im Büro, um genau das auszuhandeln.“ Ferner könne man aus CSU-Sicht eine Niederlage gegen den bekannten und durchaus populären Amtsinhaber Reiter besser verkaufen, als im offenen Rennen eine Niederlage gegen die Grüne Habenschaden. Und in CSU-Kreisen heißt es sogar, mit Reiter könne man sich besser arrangieren als mit den Grünen. SPD und CSU regierten in München gemeinsam von 2014 bis 2020.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl: „Wer in München OB werden will, muss in der Lage sein, jeden zu schlagen“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl, der als OB-Kandidat 2026 antreten könnte, findet die Aufhebung der Altersgrenze richtig, will aber die Flinte nicht so rasch ins Korn werfen. „Wer in München OB werden will, muss in der Lage sein, jeden anderen Kandidaten zu schlagen.“

Die Altersgrenze endlich abzuschaffen, sei legitim, sagt Grünen-Fraktionschef Dominik Krause. „Die Motivation dahinter ist aber durchschaubar.“ Es gehe nur darum, eine Grüne als OB zu verhindern, selbst wenn dadurch die Chancen der eigenen Partei minimiert würden. „Es scheint so zu sein, als ob die CSU die Hoffnung aufgegeben hat, den OB in München zu stellen.“

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