„Hemmschwelle muss wieder größer werden“

Polizei wird immer öfter attackiert - und startet nun besondere Aktion

Polizisten kontrollieren im Englischen Garten in München.
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Mehr Polizisten sind seit den Ausschreitungen auch im Englischen Garten unterwegs.

Am Wochenende sahen sich Polizisten auf einer Partymeile einmal mehr einem aggressiven Mob gegenüber. Die Vorfälle häufen sich, der Hass ist groß. Dagegen möchte die Polizei etwas tun.

Ein Schlag ins Gesicht der Polizei, und zwar wortwörtlich, ist derzeit das Verhalten mancher meist junger Münchner an den Wochenenden. Nach mehreren Polizeieinsätzen war es auch in der Nacht zum Sonntag nicht ruhiger.

Ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Freising schlug einem Beamten (25) auf dem Professor-Huber-Platz an der Uni ins Gesicht. Bei seiner Festnahme war er so aggressiv, dass ein weiterer Beamter (39) eine Kopfverletzung davontrug. Ein 19-Jähriger warf eine Glasflasche nach den Beamten. Was nach der Partynacht zurückblieb, war mancherorts ein Bild der Verwüstung. 

Aggressivität gegen Polizei nimmt zu: „Leute haben die Nase voll von Corona-Einschränkungen“

„Die Leute haben die Nase voll von den coronabedingten* Einschränkungen“, erklärt Peter Pytlik (61), der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Das sei deutlich spürbar gewesen. „Ihre wiedergewonnene Freiheit durch die Lockerungen* haben viele junge Menschen dann zu überschwänglich mit Alkohol gefeiert. Die Folge ist: Sie werden ignorant und gereizt, und durch den Alkohol ist die Hemmschwelle in der Gruppe kleiner.“ Dann eskaliere das Ganze, so wie am Wochenende beispielsweise in München, Regensburg und Weiden. „Manche wollen aber ganz bewusst provozieren“, sagt Pytlik.

Widerstand gegen Polizei gestiegen: Das sind die Gründe

Diese Problematik gibt es nicht erst seit Corona. Es habe sich aber auf jeden Fall verstärkt, erkennt der 61-Jährige, der selbst 27 Jahre auf der Straße im Einsatz war. „Der Widerstand gegen die Polizei ging aber schon davor los, weil die Unzufriedenheit in der Bevölkerung gewachsen ist.“ Auch die Vorkommnisse um die von Polizisten ausgehende Gewalt in den USA und die angeblich rechte Gesinnung von Behörden und der Polizei spielen dabei eine Rolle, sagt er. Unterstützt werde das von unseriöser Handyberichterstattung, in der häufig die Vorgeschichte weggelassen werde. Die Gefahr für die Polizisten ist offensichtlich. „Viele haben eine Familie daheim und möchten unbeschwert von der Arbeit nach Hause kommen“, erzählt der Landesvorsitzende.

Ungewohnt ist die Gewalt für die Beamten nicht, überraschend in dem Kontext aber schon. Auf Partymeilen schwappt ihnen oft purer Hass entgegen. „Wir müssen aber damit umgehen, und wer den Beruf wählt, weiß, was auf einen zukommt“, sagt Pytlik. „Sonst ist es der falsche Job, denn Polizist ist einer der gefährlichsten überhaupt.“

GdP startet Aufklärungsaktion „Ich bin nicht dein Feind“

Um das Problem zu lösen, wird vonseiten der Polizei versucht, viel Aufklärung zu betreiben. Die GdP hat daher die Aktion „Ich bin nicht dein Feind“ gestartet. „Die Hemmschwelle muss wieder größer werden“, fordert Pytlik. Er nimmt auch die Eltern in die Pflicht. „Mein Wunsch ist, dass die gesamte Bevölkerung im positiven Sinne gegenseitig auf sich achtet und auf die Grundwerte zurückkommt. Wenn wir so weitermachen, haben wir bald Zustände, die keiner will.“ Die Polizei gehe den Schritt, konsequent nach Recht und Gesetz zu handeln und interne Verfehlungen klar zu verfolgen. „Treten Fälle wie am Wochenende in München auf, versuchen wir, kommunikativ so einzuwirken, dass solche Situationen nicht eskalieren, was leider nicht immer gelingt.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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