51-Jähriger in Abschiebehaft

Westend-Entführung: Verdächtiger in Nordthailand gefasst

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Ist es der Gesuchte? In Sachen Westend-Entführung hat die Polizei am Montag eine Festnahme verkündet.

München - Westend-Entführung: Im Fall einer entführten Bankiers-Gattin aus Ottobrunn meldet die Münchner Polizei eine Festnahme. Der Tatverdächtige wurde in Thailand von den dortigen Behörden verhaftet.

„Er war nicht schlecht, aber wir sind besser.“ Nicht ohne stolz verkündet Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, am Montag einen Fahndungserfolg: Der mutmaßliche Entführer der Banker-Gattin (46) aus Ottobrunn ist im Norden Thailands geschnappt worden. Es handelt sich um einen 52-Jährigen, der in Nordrhein-Westfalen geboren wurde. Im Jahr 2013 wanderte Mario S. offenbar nach Thailand aus. Seitdem lebt er mit seiner Frau im Norden des Landes. Womit er sein Geld verdient, konnte der Ermittler gestern noch nicht sagen.

Im Mai 2015 muss der 52-Jährige dann zurück nach Deutschland gereist sein. An der Bergmannstraße im Westend hatte er für rund fünf Wochen eine Wohnung angemietet. Vor knapp drei Wochen, am 10. Juni, setzte er wie berichtet den Plan, den er gefasst hatte, in die Tat um. Der 52-Jährige soll gegen 7.30 Uhr an der Haustür eines Sparkassen-Managers in Ottobrunn geklingelt haben. Da dessen Gattin die Zugehfrau erwartete, schickte sie ihren zwölfjährigen Sohn, die Tür zu öffnen. Statt der Zugehfrau stand jedoch der 52-Jährige vor der Tür, eine täuschend echt aussehende Softair-Pistole im Anschlag. Der Entführer zwang den Sohn, sich mit Kabelbindern an einen Heizkörper zu fesseln. Die Mutter musste mit abgeklebter Brille in ihren silberfarbenen Polo steigen, der 52-Jährige setzte sich ans Steuer und fuhr auf den Lidl-Parkplatz an der Westendstraße. In der Wohnung hatte der Entführer einen Erpresserbrief hinterlassen, in dem er 2,5 Millionen Euro Lösegeld forderte.

Auf dem Parkplatz nutzte die Ehefrau des Sparkassen-Managers die Nervosität des Täters: Ihm war das Magazin aus seiner Waffe gefallen. Die Banker-Gattin flüchtete, der Entführer versteckte sich in der Wohnung an der Bergmannstraße. Offenbar hatte der 52-Jährige geplant, die Frau in diese Wohnung zu bringen und zu verstecken. Wenige Stunden nach der misslungenen Entführung gab der Mann den Schlüssel der Wohnung wieder an den Vermieter zurück. Noch am Tatabend fuhr Mario S. an den Flughafen München und setzte sich in eine Maschine nach Thailand. Bilder der Überwachungskamera am Flughafen zeigen den mutmaßlichen Täter.

Offenbar auch anhand von Verbindungsdaten seines Handys sind die Ermittler dem Entführer auf die Spur gekommen. „Die Hinweise, die bei uns eingingen, sind alle ins Leere gelaufen“, erklärt Kraus. Möglicherweise auch, weil sich der mutmaßliche Täter erst kurz vor der Entführung einen Bart wachsen ließ, den er anschließend sofort wieder abrasierte. Das zeigen die Bilder, die am Flughafen entstanden sind. Auf den Fotos, die unter anderem eine Kamera in einer S-Bahn aufgenommen hat, trägt der Mann noch einen Bart. „Ohne Vorratsdatenspeicherung wäre es wesentlich schwieriger gewesen, den Mann zu finden“, betont Kraus.

Am vergangenen Freitagnachmittag nahm die Polizei Mario S. dann im Norden Thailands fest. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte zuvor über die deutsche Botschaft erwirkt, dass ihm der Pass entzogen wird. Er hielt sich somit illegal in Thailand auf. Die örtliche Polizei konnte den 52-Jährigen festnehmen. Er sitzt nun in Thailand in Abschiebehaft.

Warum der Entführer sich die 46-Jährige als Entführungs-Opfer aussuchte, ist noch offen. Zum Motiv der Tat wollten die Ermittler am Montag nichts sagen. Nach Informationen von Münchner Merkur und tz machte der 52-Jährige die Stadtsparkasse München dafür verantwortlich, viel Geld verloren zu haben. Mario S. soll bis 2012 als Informatiker in München gearbeitet haben. Dem Entführungs-Opfer soll er während der Fahrt nach München gesagt haben, dass die Stadtsparkasse rund 1,5 Millionen Euro seines Geldes verspekuliert habe.

Wann der mutmaßliche Entführer nach Deutschland überstellt wird, ist nach Angaben von Kraus noch unklar. Wegen Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und versuchter schwerer Erpressung drohen dem mutmaßlichen Entführer fünf bis 15 Jahre Haft. Zielfahnder der Münchner Polizei werden nun nach Thailand reisen und den Tatverdächtigen abholen.

Lesen Sie hier:

Das Motiv des Entführers - war die Tat ein Racheakt?

Polizeieinsatz in Entführer-Wohnung

Westend-Entführung: Wollte er hier sein Opfer verstecken?

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