Gewerkschaft fordert Regierung zum Handeln auf

Polizei arbeitet am Limit: So kann es nicht weitergehen!

Die Polizisten Thorsten Schiefele (v.l.), Claudia Roth und Franz Mörtl .
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Die Polizisten Thorsten Schiefele (v.l.), Claudia Roth und Franz Mörtl .

München - Die Polizei in München arbeitet derzeit personell am Limit. Nun hat die Gewerkschaft ein Konzept vorgestellt, wie sich das bis 2025 ändern soll.

Die Polizei in Bayern kommt personell auf dem Zahnfleisch daher. Landesweit fehlen mindestens 3000 Beamte. Die hohe Belastung im Dienst werde nicht ausreichend entlohnt, und eine 35-Stunden-Woche sei längst überfällig. Das teilte gestern die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit. In der tz sprechen drei Beamte über die harte Realität.

Claudia Roth (38) ist Pförtnerin. Ihr Job besteht aber nicht aus Rumsitzen, wie viele immer behaupten. Roth sorgt im Landeskriminalamt für Sicherheit, kontrolliert, wer ein- und ausgeht, weiß, wer hineingehört und wer nicht. „Das ist kein Kindergeburtstag“, sagt sie. „Trotzdem bin ich in der Niedriglohngruppe, habe eigentlich keine Aufstiegsmöglichkeiten und würde ohne meinen Mann mit 1600 Euro netto am Existenzminimum leben.“ Auch die Ballungsraumzulage für München sei bei dem horrenden Mietspiegel ein Witz, sagt die Mutter einer kleinen Tochter.

Im „Handlungskonzept 2025“ fordert die GdP Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (59, CSU) und Finanzminister Markus Söder (49, CSU) auf, die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst wieder attraktiver zu machen. Laut GdP-Landesvorsitzendem Peter Schall schieben Polizisten im Freistaat mehr als zwei Millionen Überstunden vor sich her. Die hätten sich wegen des G7-Gipfels, der Flüchtlingskrise und der aktuellen Terrorlage angehäuft. Deshalb müssten mindestens 3000 Stellen geschaffen werden.

Thorsten Schiefele (44) ist verheiratet, hat zwei Kinder und schiebt seit 20 Jahren Nachtschichten bei der Polizeiinspektion in Krumbach (Schwaben). Er sagt: „Es hinterlässt seine Spuren. Eine Zulage für ungünstige Zeiten wäre eine Entschädigung.“ 2800 Euro bleiben ihm und seiner Familie im Monat zum Leben. Angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Polizisten sei das viel zu wenig.

Franz Mörtl (49), Autobahnpolizist in Memmingen: „Wir fahren teilweise 50 bis 70 Kilometer zu den Einsätzen. Es sind zu wenige Kollegen auf der Straße. Wir werden unseren Aufgaben nicht mehr gerecht.“

J. Heininger

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