Wer kennt das Brandopfer?

Das Todesrätsel vom Englischen Garten

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Ermittler am Fundort des Toten, dessen Gesicht rekonstruiert wurde (kl. Bild).

München - Vor einem dreiviertel Jahr ist die Brandleiche im Englischen Garten gefunden worden. Noch immer steht die Polizei vor einem Rätsel, wer der Mann ist. Jetzt bitte sie um Mithilfe aus der Bevölkerung.

Günstig, aber sehr gepflegt: Die Kleidung des Toten stammt von C&A, die Schuhe von Deichmann.

Als Kind und Jugendlicher ist er in China aufgewachsen, und zwar am Meer. Später ging er öfter auf Reisen zwischen China und Europa. Er hat seine Essgewohnheiten verändert und in den letzten Jahren seines Lebens sehr viel Fleisch gegessen. Niemand weiß, wer er ist. Doch hat er jetzt wenigstens wieder ein Gesicht: Modernste Analyse- und Rekonstruktionsverfahren der Münchner Rechtsmedizin und der Universität Freiburg offenbaren faszinierende Details aus dem Leben eines Mannes, dessen schauriger Tod der Vermisstenstelle der Münchner Polizei Rätsel aufgibt. Am Abend des 2. Juli 2012 wurde im Englischen Garten nahe des Monopteros im Gebüsch die Leiche eines grausam entstellten, etwa 40 bis 50 Jahre alten, schlanken Mannes gefunden.Sein Gesicht war entstellt. Ansonsten wies sein (stark behaarter) Körper keinerlei Spuren von Gewalt auf. Auch in der Umgebung fanden sich keine Anzeichen eines Kampfes. Bis heute ist nicht klar, ob es sich um einen Suizid oder um ein Verbrechen handelt. Das Gesicht des Mannes wurde mit einer kleinen Menge Benzin übergossen. Er starb an den schweren Brandverletzungen.

Die Uhr ist von Dugena (Modell GM10).

Mit Hilfe der Isotopen-Analyse aus den Knochen und Haaren des Toten sind nun Eckdaten seines früheren Lebens bekannt. So hat er sich bis zum 14. Lebensjahr typisch asiatisch mit viel Fisch, Meeresfrüchten und Algen ernährt. Später nahm er europäische Essgewohnheiten an, aß Fleisch und Eier. Bis zu seinem Tod hat er sich nur wenige Wochen im deutschen oder bayerischen Raum aufgehalten.  Ein kleines Wunder vollbrachte auch die Biologin Professor Dr. Ursula Witwer-Backofen im Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Freiburg – eine von 15 Spezialisten weltweit, die in der Lage sind, Gesichter entstellter Toter wiederherzustellen. Mit Hilfe dieser Rekonstruktion hofft die Polizei (Kommissariat 14, Tel. 089/2910-0), den Toten doch noch identifizieren zu können.

Stichwort Isotopenanalyse

Aus Knochen, Haaren, Fingernägeln, Zähnen und Muskelgewebe können Wissenschaftler mit Hilfe der Isotopenanalyse die Geheimnisse der Herkunft, die Ernährungsgewohnheiten und die  Reisewege eines Menschen entschlüsseln. Isotope sind unterschiedlich schwere Atome der Elemente, die in den Regionen der Erde in unterschiedlichen Verhältnissen vorkommen. Die Rechtsmediziner können so zuordnen, wo ein Mensch aufwuchs, wo er wann lebte und welches Wasser er trank. Damit lässt sich zum Beispiel auch das Anbaugebiet von Drogen, die Erde am Schuh eines Täters oder die Herkunft vergifteter Erdbeermarmelade klären.

Dorita Plange

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