Räuber mit Revolver: "Wollte ins Gefängnis"

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Der Angeklagte Sebastian H.

München - Als der Räuber ihm einen Revolver vors Gesicht hielt, hatte Taxifahrer Ansgar A. mit dem Leben so gut wie abgeschlossen. Schuld an allem soll die nervige Nachbarin gewesen sein.

 „Ich dachte, der erschießt mich jetzt“, berichtete Taxifahrer Ansgar A. am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht München I. Er fuhr rechts ran, schnappte sich seinen Geldbeutel und ergriff die Flucht: „Ich dachte: Lieber einen Schuss in den Rücken als einen Schuss ins Gesicht.“

Schlimmer Schock: Taxifahrer Ansgar A. wurde in seinem Auto mit einem Revolver bedroht

Der brutale Raubüberfall am Abend des 17. August 2011: Er lässt den Taxifahrer nicht mehr los. „Ich glaube, ich war in dieser Situation zu übermütig.“ Ansgar A. kann nämlich von Glück reden, dass Räuber Sebastian H. (29) keine echte Waffe, sondern nur einen täuschend echt aussehenden Schreckschuss-Revolver in der Hand hatte. Ehe er aus seinem Taxi flüchtete, sagte der Taxler dem Räuber noch: „Du spinnst wohl, warum machst du einen Überfall?“

Die irre Antwort gab der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht: „Das habe ich gemacht, um in den Knast zu kommen.“ Sebastian H., der aufgrund einer Krankheit nicht arbeiten kann, fühlte sich in seiner Sozialwohnung nämlich nicht wohl.

Die Nachbarin habe ihn ständig mit lauter Musik genervt, erzählt er. Und habe er sich bei ihr über die Lautstärke beschwert, dann sei sie unverschämt geworden. Der Angeklagte: „Ich wollte weg von meiner Nachbarin. Ich wollte ein ruhiges Zimmer im Gefängnis.“

Nach dem gescheiterten Überfall hatte er sich in ein Buswartehäuschen gesetzt und dort auf die Polizei gewartet.

„Das klingt wie ein Hilferuf“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Denz nach der Begründung des Angeklagten. Und: „Das ist ein außergewöhnliches Verhalten, das vielleicht therapiebedürftig ist.“

Ansgar A. fährt übrigens weiterhin Taxi – schon direkt am Tag nach der Revolver-Drohung setzte er sich wieder hinters Steuer. Er sagt: „Wenn man vom Pferd fällt, muss man auch wieder aufsteigen.“ Oder in diesem Fall: einsteigen.

Den Wunsch von Sebastian H. erfüllte das Gericht übrigens nicht. Der Angeklagte, der seit der Tat in U-Haft saß, wurde am Mittwoch aus dem Knast entlassen. Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung!

Eberhard Unfried

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