Beamten-Rabatt auf Kokain

Heftiger München-Skandal: Jetzt packt Dealer aus - „Polizisten haben sich goldene Nase an mir verdient“

Nach Aufdeckung des Drogen-Skandals bei der Polizei München spricht der verwickelte Dealer jetzt vor Gericht. Er will „reinen Tisch machen“.

München - Es ist ein Satz, der fassungslos macht: „Die Polizisten haben sich eine goldene Nase an mir verdient“, sagte Hakan P. (Name geändert) am Dienstag vor dem Amtsgericht aus. Er ist der Drogendealer, der den Münchner Polizeiskandal ins Rollen gebracht hatte – und gilt als Kronzeuge für die strafrechtliche Aufklärung.

Münchner Polizeiskandal: Drogendealer spricht von Polizisten-Rabatt auf Kokain

Bereits in der Untersuchungshaft hatte Hakan P. erste Angaben gemacht: Etliche Polizisten seien seine Kunden gewesen. Seither stehen Vorwürfe im Raum, „dass Polizisten in München* Kokain konsumieren, verkaufen, ankaufen“, wie es vonseiten eines Ermittlers hieß, der für das Landeskriminalamt arbeitet, das den Polizei-Skandal aufklären soll.

Seine eigene Beteiligung an den Drogengeschäften hatte Hakan P. längst eingeräumt. Ihm zufolge soll es sogar einen speziellen Polizisten-Rabatt auf Kokain gegeben haben. Diverse Male sollen Münchner Polizisten bei ihm Kokain gekauft, aber viel weniger Geld als üblich dafür gezahlt haben. Laut LKA hatte Hakan P. sogar damit geprahlt, „Polizisten zu kennen, die ihn schützen“.

München: Jetzt spricht der Dealer in Verhandlung zu Drogen-Skandal - „Wollte reinen Tisch machen“

Zitternd saß P. am Dienstag wieder im Zeugenstand – dieses Mal musste er gegen Niklas H., den Betreiber der Disco Heart, aussagen. Am Lenbachplatz sollen die Drogengeschäfte über die Bühne gegangen sein. Auch H. wird deshalb beschuldigt – er schwieg aber nun vor Gericht. Dafür sagte Dealer Hakan P. aus: Er lieferte für mehrere Kunden das Kokain.

„Ich wollte reinen Tisch machen“, begründete der Dealer seine Aussagen über das Heart und die kriminellen Polizisten. Erst dadurch konnten die Ermittlungen so erfolgreich werden. Insgesamt stehen mittlerweile 36 Münchner Polizeibeamte unter Verdacht, der erste Fall wurde inzwischen angeklagt: Einem Beamten von der Polizeiinspektion 23 in Giesing wird demnächst der Prozess gemacht.

Zwölf Beamte in München suspendiert: Etliche Disziplinarverfahren nach Polizeiskandal

Dazu kommt: „Momentan sind in diesem Zusammenhang zwölf Beamte des Polizeipräsidiums München suspendiert“, bestätigt Sven Müller, Pressesprecher bei der Münchner Polizei*. Zwei weitere Beamte wurden vorläufig ihres Dienstes enthoben. Gegen sechs bereits suspendierte Polizisten ist mittlerweile ein Verfahren zur Dienstenthebung eingeleitet worden. Insgesamt laufen laut Polizei 22 Disziplinarverfahren gegen Angehörige des Präsidiums.

Polizeiskandal in München: Mammutprogramm für die Ermittler

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Drogenskandals bei der Münchner Polizei läuft auf Hochtouren. Am Lenbachplatz nahm 2018 alles seinen Anfang, dort wurde zunächst der Club Heart durchsucht und Drogendelikte aufgedeckt. Bei einer Drogen-Razzia im Herbst 2020 durchsuchten dann mehr als 200 Ermittler von Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt und Zoll insgesamt 30 Wohnungen sowie sieben Polizei-Dienststellen. Rund 6,7 Millionen Chatnachrichten, darunter 6,5 Millionen Bilder und rund 130 000 Videos, wurden seither ausgewertet – die umfangreichen Ermittlungen dauern an. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch

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