Drogen-Vorwürfe gegen Koch

Beweise verschlampt - trotzdem muss er vor Gericht

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Kämpft um den Freispruch: Markus N. (25).

München - Markus N. wurde zu 90 Tagessätzen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Und das, obwohl die Polizei Beweise verschlampt hat und dem Münchner Koch nichts nachzuweisen ist.

Als ihm der Strafbefehl ins Haus flatterte, rieb sich Markus N. (25) die Augen: 2700 Euro wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes! „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, empört sich der junge Münchner Koch. „Warum werde ich für etwas bestraft, für das es keinen Beweis gibt?“

Mit Freunden fuhr Markus N. (Name geändert) am 17. August 2013 zum Echelon-Festival nach Bad Aibling. Dort geriet er ins Visier der Drogenfahnder: „Die Polizei hat mich gefilzt, selbst in meine Unterhose und die Schuhe haben die geschaut.“ Die Beamten fanden bei ihm verdächtige Substanzen. „Vermutlich Marihuana, vermutlich Ecstasy, vermutlich MDMA“, steht im Polizei-Protokoll.

Strafbefehl über 90 Tagessätze - obwohl Beweise fehlen

Markus N. muss mit auf die Wache, wird in eine Zelle gesperrt. Das verdächtige Material packen die Beamten in ein DIN-A-4-Kuvert – „ohne Zugriffsmöglichkeiten durch den Beschuldigten“, heißt es im Protokoll weiter. Als sich ein Sachbearbeiter seiner annimmt, stellen die Beamten entsetzt fest, „dass sich die sichergestellten Betäubungsmittel nicht mehr in dem Briefumschlag befinden“.

„Die haben mich und die Zelle sofort durchsucht“, erzählt der Betroffene. „Gefunden haben sie aber nichts.“ Blut- und Urinproben ergeben bei ihm keine Anhaltspunkte für Drogenkonsum. Die Sache sei für ihn erledigt, denkt Markus N. Er darf heimfahren.

Trotz fehlender Beweise greift die Staatsanwaltschaft Traunstein durch. Sie geht davon aus, dass es sich bei dem nicht auffindbaren Material um Drogen gehandelt habe. Das Amtsgericht Rosenheim winkt den Strafbefehl über 90 Tagessätze durch.

"Egal wie der Prozess ausgeht, auf ein Festival gehe ich nie wieder"

Hilfesuchend wendet sich Markus N. an den Münchner Rechtsanwalt Lutz Libbertz. Dieser fordert die Einstellung des Strafverfahrens: „Es ist ein klassiche Fall für einen Freispruch, weil die Beweismittel offensichtlich fehlen.“

Die Anklagebehörde lässt es aber auf einen Prozess ankommen. Helga Pöschl-Lackner, Sprecherin des Amtsgerichts Rosenheim, zur tz: „Das werden wir in einer Hauptverhandlung klären müssen. Diese könnte ja mit Freispruch enden.“ Wobei die Richterin auf das „könnte“ ganz besonderen Wert legt.

Anwalt Lutz Libbertz ist optimistisch: „Kein Beweis, keine Verurteilung.“ Markus N.: „Egal wie der Prozess ausgeht, auf ein Festival gehe ich nie wieder.“

Eberhard Unfried

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