5045 Strafzettel für Radfahrer

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„Steigen Sie bitte mal kurz ab!“ – 12 500 Münchner Radler wurden in drei Wochen kontrolliert.

München - Die Polizei ist unzufrieden mit dem Verhalten der Radl-Fahrer in der Landeshauptstadt. Polizeivizepräsident Kopp wünscht sich "eine neue Kultur des Radfahrens in der Großstadt".

Wenn sich Münchens Polizeivizepräsident Robert Kopp was wünschen dürfte – dann würden die Münchner „eine neue Kultur des Radfahrens in der Großstadt“ entwickeln. Weil sie das aber nun mal nicht freiwillig tun, half die Polizei nach und rief im Mai die Aktion Gscheid Radln! ins Leben. Mit ersten Erfolgen, aber auch einigen wirklich erschreckenden Erkenntnissen.

Nachdem die Radlunfälle zu Beginn des ungewöhnlich frühen und warmen Frühlings sprunghaft in die Höhe schossen, kündigte die Polizei im Mai Schwerpunktkontrollen an. Die erste vom 23. 5. bis zum 12. 6. ist vorbei. Das Fazit macht der Polizei Sorgen: 12 500 Radler wurden in den letzten drei Wochen kontrolliert. Weitaus mehr als die Hälfte – nämlich 7539 davon – wurden beanstandet. 5045 wurden gebührenpflichtig verwarnt – vom kleinen Fünf-Euro-Bußgeld bis hin zu Flensburg-Punkten für die Unbelehrbaren. 2308 davon kassierten eine Anzeige, 2106 allein wegen frecher Missachtung roter Ampeln. Acht Radfahrer reagierten derartig unverschämt oder unbelehrbar, dass sie eine Einladung zum Verkehrsunterricht bekamen.

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

Die traurige Hitliste der Verstöße wird klar angeführt von den Rotlicht-Sündern – dicht gefolgt von den Geisterradlern. Weitere Sünden sind das Fahren auf dem Gehweg, das Nebeneinanderradeln, das Telefonieren während der Fahrt, Ohrstöpsel mit viel zu lauter Musik sowie mangelhafte oder ganz fehlende Beleuchtung.

Erste Erfolge lassen sich schon an den Zahlen ablesen: In den letzten drei Wochen gingen die Radlunfälle um 39,8 Prozent (von 221 im Jahr 2010 auf jetzt 133) zurück. Ebenso sank die Zahl der Verletzten um 39 Prozent (von 218 auf heuer 133). Auch die Zahl der Unfälle, die die Radfahrer selbst verursachten, ging während der Aktionstage von zuvor 53,3 Prozent auf 49,6 Prozent zurück. Vielfach reagierten die Radfahrer einsichtig.

Zudem bekam die Polizei viel Zuspruch und neue Hinweise auf Brennpunkte für künftige Aktionen. Die dümmste Ausrede lieferte übrigens ein sonnenscheuer Geisterradler, der seine Missetat damit rechtfertigte, „er habe lieber im Schatten“ fahren wollen. Und auch ein Alkoholix mit 2,7 Promille schwankte den Beamten in gefährlicher Schräglage entgegen. Der verliert nun den Führerschein – falls er überhaupt noch einen hat.

Hier ist es besonders gefährlich

Als besonders unfallträchtige Brennpunkte für Radfahrer erweisen sich die großen Münchner Ausfallstraßen – besonders dann, wenn sie etliche Seitenstraßen haben und von vielen Radfahrern gleichzeitig genutzt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Ludwig- und die Leopoldstraße in Schwabing sowie Fürstenrieder-, Würmtal- und Lerchenauerstraße und der Georg-Brauchle-Ring.

Viele Unfälle würden verhindert, wenn Rad- und Autofahrer nicht auf die Vorfahrt bestehen und sich mit Augenkontakt verständigen würden. Eine wesentliche Rolle spielt bei Radlern gerade auch nachts die Erkennbarkeit sowie Handzeichen beim Abbiegen.

Dorita Plange

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