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Polizei will die Sauf-Orgien stoppen

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Der Verkauf von Alkohol an Tankstellen soll gestoppt werden.
Der Verkauf von Alkohol an Tankstellen soll gestoppt werden. © dpa

München bleibt die sicherste Metropole Deutschlands – im Vergleich zum Vorjahr haben die Straftaten sogar leicht abgenommen.

Das belegt der Sicherheitsreport 2007 der Münchner Polizei, der gestern vorgestellt wurde. Wäre da nicht der Alkohol: Immer mehr Straftaten geschehen im Suff, und dann sind die Täter besonders brutal.

Zwar ist die Gesamtzahl der Straftaten von 125 196 im Vorjahr auf 124 311 gesunken, das sind 0,7 Prozent weniger. Positivbeispiele: weniger Wohnungseinbrüche, Raub und Vergewaltigung. Trotzdem bleibt ein Trend ungebremst: „Zu viele Straftaten sind durch Gewalt geprägt“, so Polizeipräsident Schmidbauer. Alarmierend: Jugend- oder gruppentypische Gewaltdelikte sind um ganze 17,5 Prozent (von 645 auf 758) gestiegen.

„Auch die Qualität der Gewalt hat sich weiter gesteigert“, zeigt sich Schmidbauer besorgt. 3513 Mal registrierte er gefährliche und schwere Körperverletzung, ein Plus von 2,6 Prozent. Beispiele: Übergriffe mit dem Messer sind von 14 auf 21 gestiegen, mit Baseballschlägern und ähnlichem sogar von 12 auf 30.

Betrunken steigt die Aggressivität weiter. Verschiedene Krankenkassenstudien belegen, dass die Jugendlichen immer mehr und vor allem härteren Alkohol trinken. Die Folgen sieht man in der Polizei-Statistik: Insgesamt sind 45,5 Prozent der Deutschen und 34,3 Prozent der Nichtdeutschen alkoholisiert, wenn sie Gewalttaten begehen. In München waren 2007 bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung gut ein Drittel betrunken.

Wie will die Polizei diesen Trend stoppen? Erst einmal hätte sie gerne die Sperrstunde zurück. Seit 2003 nämlich erhöhte sich der Anteil aller Verbrechen zwischen 1 und 5 Uhr um 39,3 Prozent, die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen sogar um 72,8 Prozent. Schmidbauer: „Die Mehrbelastung ist bisher nicht durch mehr Personal ausgeglichen worden.“ An der Abschaffung der Sperrstunde will der Freistaat aber vorerst nicht rütteln.

Auch den Wirten wollen die Beamten mithilfe der Jugendschutzstreife weiterhin genau auf die Finger schauen – wenn sie Alkohol an Minderjährige oder sichtlich Betrunkene ausschenken, gibt’s Ärger.

Da, wo besonders viel getrunken wird, wird es dementsprechend immer krimineller: Im Bereich um die Kultfabrik und das Optimolgelände sind die Delikte laut Polizei um 14,8 Prozent auf 2089 gestiegen, die Zahl der Körperverletzungen nachts ist dort um 36,4 Prozent gestiegen. Zweiter Brennpunkt ist der Maximiliansplatz, seit ein paar Jahren neues Party-In-Viertel. Nachts haben hier die Delikte um 161 Prozent zugenommen.

Aber auch Saufen außerhalb der Party-Viertel ist ein Problem: „Erst kürzlich hat eine 13-jährige Schülerin im Schulbus Raki getrunken und kam mit 1,0 Promille an“, berichtet Konrad Gigler, Abteilungsleiter für Verbrechensbekämpfung. Aber gegen das sogenannte „Vorglühen“ und die Sauforgien unter freiem Himmel wüsste die Polizei eine Lösung. Präsident Schmidbauer : „Wenn die Tankstellen nachts überhaupt keinen Alkohol mehr abgegeben dürften, würde die Quelle versiegen und ein wichtiger Schritt wäre getan.“

nba

Quelle: tz

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