Andrä schreibt Brief an Prügelopfer

Polizeichef entschuldigt sich bei Teresa Z.

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Teresa Z. mit Anwalt Franz J. Erlmeier auf dem Weg ins Gericht.

München - Vom Prügel-Polizisten Frank W. gab's nur eine halbherzige Entschuldigung, dafür bekam Teresa Z. jetzt einen Brief von Polizeipräsident Hubertus Andrä. Der oberste Ordnungshüter der Stadt sagt Sorry.

Monatelang hatte sie für ihr Recht gekämpft – hatte ihre schweren Gesichtsverletzungen kuriert und den anstrengenden Prozess hinter sich gebracht. Entschuldigt hat sich Prügel-Polizist Frank W. (33) bei seinem Opfer Teresa Z. (23) aber nur halbherzig: „Die Verletzungen tun mir leid – meine Handlung nicht. Es war kein gezielter Schlag, sondern ein Reflex“, sagte er am Dienstag vor Gericht.

Polizeipräsident Andrä schrieb Teresa Z. einen Brief.

Einen Entschuldigungsbrief habe er zwar geschrieben, aber nie abgeschickt – er fühlte sich durch die Berichterstattung ungerecht behandelt. Umso überraschender kam nun der Brief vom neuen Polizeipräsidenten Hubertus Andrä. In dem persönlichen Schreiben an Teresa Z., das der tz vorliegt, stellt er klar heraus, dass die Vorgehensweise seines Beamten „nicht rechtmäßig war“. Ein deutliches Signal. Denn: Vorgänger Wilhelm Schmidbauer konnte sich zu solch einer klaren Aussage nicht durchringen und beurteilte den Faustschlag seines Prügel-Polizisten Mitte Februar im exklusiven tz-Interview noch als „konsequente Vorgehensweise“. Hubertus Andrä wendet sich nun direkt an Teresa Z. – ein geschickter Schachzug, zumal auch noch Schmerzensgeldforderungen im Raum stehen. Andererseits ist der Faustschlag von Frank W. nach der Verurteilung nicht mehr zu verteidigen. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, Ihnen persönlich mitzuteilen, dass es mir leid tut“, schreibt der Polizeipräsident. Er entschuldige sich für „Verletzungen, die vielleicht tiefer gehen, als die sichtbaren Wunden es erahnen lassen“. Und sagt auch: „Ich hätte mir gewünscht, dass es gelungen wäre, diese Situation zu beruhigen und verletzungsfrei zu lösen.“

Eine Fachabteilung habe er angewiesen, Teresa zu kontaktieren, „damit Sie Ihre finanziellen Forderungen zeitnah geltend machen können“. Was sagt Teresa? Über ihren Anwalt Franz J. Erlmeier lässt sie ausrichten: „Ich begrüße und respektiere das Schreiben des Polizeipräsidenten. Ich sehe darin seine persönliche Anteilnahme und eine Entschuldigung der Behördenleitung.“

Wird er aus dem Dienst entfernt?

Zehn Monate Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung im Amt – so lautete am Dienstag das Urteil gegen Frank W. (33), der Teresa Z. das Gesicht mit einem Faustschlag zertrümmerte. Damit ist der Polizeiobermeister rechtskräftig verurteilt.

Aber wie geht es jetzt für ihn weiter: Bleibt er suspendiert? Oder darf er bald wieder ganz normal seinen Polizeidienst verrichten? Die tz klärt die wichtigste Frage nach dem Prozess!

Gegen Frank W. läuft ein Disziplinarverfahren.

Neben der Anklage der Staatsanwaltschaft liefen auch interne Ermittlungen gegen Frank W. – diese ruhten aber während des Gerichtsverfahrens. „Für uns ist wichtig, dass es jetzt ein Urteil in dieser Sache gibt – wir warten nun die schriftlicheBegründung des Gerichts und die Rechtskraft des Urteil ab“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Das dauert in der Regel eine Woche. Und Frank W.? „Der Beamte ist nach wie vor vom Dienst suspendiert und bleibt das auch, bis das Urteil rechtskräftig ist. Danach entscheiden wir, was mit ihm passiert.“ Dem Prügel-Polizisten drohen neben strafrechtlichen als Beamter auch diszplinarrechtliche Konsequenzen. „Wir prüfen jetzt in einem internen Verfahren, wie der Vorfall aus dienstlicher Sicht zu bewerten ist“, sagt Wenger. Das Maß reiche von einem Verweis über eine Gehaltsminderung oder Degradierung bis hin zur Entfernung aus dem Polizeidienst. „Unsere Personalabteilung leitet das Verfahren und gibt am Ende der Prüfung eine Empfehlung an den Polizeipräsidenten ab. Das kann einige Wochen dauern."

tz

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