Kritik am NRW-Plan

Fußball ohne Polizei – das geht bei uns nicht

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Beganlische Feuer im Löwenblock beim kleinen Derby zwischen Bayern und 1860 im Grünwalder Stadion.

München - Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä übt heftige Kritik am NRW-Plan, die Polizei von Fußballspielen abzuziehen. In München sei das aus drei Gründen nicht vorstellbar.

Die Fußballwelt ist alarmiert: Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen will aus Kostengründen die Polizei von Fußballspielen abziehen. Auf Schalke, in Dortmund, Gladbach oder Köln wird man bei Partien, die im Vorfeld als friedlich eingestuft werden, wenig bis gar keine Polizisten sehen. Auch in der Umgebung sollen die Hundertschaften nicht mehr sonderlich präsent sein.

Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä

In München ist das aus Sicht des Polizeipräsidenten Hubertus Andrä nicht vorstellbar: „Ein Fußballspiel ist eine öffentliche Veranstaltung und es ist Aufgabe der Polizei, in Zusammenarbeit mit den Vereinen in diesem Bereich die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten“, erklärte der Münchner Polizeichef im tz-Interview. Drei Dinge werden bei der aktuellen Diskussion aus seiner Sicht übersehen: „Die Vereine haben erhebliche Kosten und Aufwendungen für den Ordnungsdienst zu leisten, so dass die Polizei im Stadion ja grundsätzlich gar nicht aktiv wird. Dazu kommen die Konfrontation auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, die nicht zwingend im Zusammenhang mit dem aktuellen Spiel stehen müssen. Und drittens frage ich mich: Wem schicken wir denn dann die Rechnung bei den Spielen in der Champions League? Oder bei allen anderen großen Sportveranstaltungen und Konzerten? Diese Diskussion ist aus meiner Sicht sehr öffentlichkeitswirksam, aber durchdacht ist sie nicht.“ Veranstaltungen mit rund 70.000 Personen dürfe man nicht sich selbst überlassen: „Das halte ich für unverantwortlich.“

Andrä plädiert bei Strafen für Blocksperren – auch bei Amateurspielen

Ein Großaufgebot bewacht das kleine Derby zwischen Bayern und 1860 im Grünwalder Stadion.

Bei gewalttätigen Fan-Krawallen sieht Andrä die Vereine in der Verantwortung: „Die müssen ihren Fans sagen: Ihr schadet dem Verein, dem Ansehen des Fußballs und Ihr befeuert mit Eurem Verhalten diese Diskussion.“ Wenn es um Strafen geht, plädiert Andrä für die Blocksperren – auch bei Amateurspielen: „Der Verein muss 20.000 Euro und mehr Strafe bezahlen, wenn sich eine Fan-Gruppierung im Stadion daneben benimmt.“ Die Signalwirkung sei gleich null. „Einen leeren Block dagegen sehen alle.“

Zudem wünscht sich Andrä, dass einzelne Stadionverbote für Hooligans auch für internationale Spiele gelten: „Die Vereine müssen auf europäischer Ebene klare Kante zeigen und sagen: Dein Stadionverbot gilt auch bei der UEFA.“

Dorita Plange

Das ausführliche Interview mit dem Polizeipräsidenten lesen Sie am Mittwoch.

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