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Im Polizeipräsidium fliegen die Fetzen

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Karl Hilz (l.) wurde rausgeklagt. Arno Schindler siegte. © ebu

München - Ein Prozess brachte es an den Tag: Im Polizeipräsidium München geht es drunter und drüber. Es gibt Zoff um Mobbing, Saufgelage und Indiskretionen.

Von brutalem Mobbing ist die Rede, von Saufgelagen mit Billigung des Chefs, von Unterdrückung durch Vorgesetzte, von Polizeibeamten, die sich aus lauter Verzweiflung erschießen wollen. Anlass der Schlammschlacht: Personalräte wandten sich „persönlich - vertraulich“ an Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer, um Missstände aufzuzeigen.

Dabei ging es auch um so genanntes „Bossing“ eines Polizeidirektors, der unter anderem für die Reiterstaffel in Riem zuständig ist. Im Polizeireitstall gehe es drunter und drüber, einer der Bosse betrachte ein Polizeipferd als Privatbesitz. In der Dienststelle habe es wilde Sauf-orgien gegeben. Und und und.

Schmidbauer jedenfalls wandte sich an den Personalrats-Vorsitzenden Arno Schindler. Und der schäumte vor Wut. Denn offenbar stammten die an den Präsidenten mitgeteilten Details aus Sitzungen des Personalrats. Was dort besprochen wird, ist geheim! Als den Schuldigen machte Schindler das Personalrats-Mitglied Karl Hilz aus, gegen diesen klagte er auf Ausschluss aus dem Personalrat. Hilz gehört der Liste GLB an, die gegen die etablierten Gewerkschaften angetreten ist. Deshalb sei er den anderen ein Dorn im Auge, sagt Hilz. Er habe keinerlei Geheimnisse aus Sitzungen mitgeteilt.

Die Indiskretion gegenüber dem Präsidenten nahm am Mittwoch im Zeugenstand die Personalrätin Cornelia B. (51) auf ihre Kappe. Sie habe Schmidbauer informiert und dabei auch ein Schreiben von Hilz beigelegt. Sie habe in großer Sorge um ihre Kollegen gehandelt: „Im Raum stand eine mögliche Amokhandlung.“ Der Präsident habe ihr Vertaulichkeit zugesichert. Doch der ließ dem Gericht am Mittwoch mitteilen: „Es wurde niemand Vertraulichkeit zugesagt.“ Das Gericht sah eine „grobe Pflichtverletzung“ von Karl Hilz als erwiesen an und sperrte ihn aus dem Personalrat ab sofort aus! Cornelia B. wird es wohl bald ebenso ergehen.

Von E. Unfried

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