Polizei stürmt Uni: Bewaffneter verhaftet

München - Schock in der Mittagszeit: Polizisten stürmten am Mittwoch die Uni-Caféteria an der Schellingstraße und überwältigten einen Mann, der drei Waffen bei sich trug. Was er damit wollte, gibt der Polizei Rätsel auf.

Polizei stürmt Uni: Bewaffneter verhaftet

Eine Uni-Mitarbeiterin hatte vom Fenster aus gesehen, wie ein 34 Jahre alter Mann etwa um halb zwölf auf dem Terrassen-Flachdach vor der Caféteria mit einer Pistole hantierte. Sofort rief sie die Polizei. Kurz darauf stürmten Beamte mit gezogener Waffe außen auf das Dach, einige rannten die Treppe im Inneren des Gebäudes für Geisteswissenschaften an der Schellingstraße hinauf. Sie nahmen den Mann im Flur vor der Caféteria widerstandslos fest und begleiteten ihn auf die Terrasse hinaus. So berichtet es ein Student, der es von einer etwas höher gelegenen Bibliothek aus beobachtet hatte.

„Es gab Gerüchte um einen Amoklauf“, erzählt Marie Schoess (21), Studentin der Literaturwissenschaften. Polizisten waren an ihr vorbeigestürmt, als sie nach einer Vorlesung im Aufgang zur Caféteria des Gebäudes an der Schellingstraße stand. Sie konnte nicht sehen, was da oben passierte. Aber immer mehr Studenten drängten aus den Hörsälen. „Manche haben überlegt, ob es gefährlich ist, zu bleiben. Aber die meisten sind stehengeblieben, um zu erfahren, was los ist.“

Fast 60 Polizisten rückten an, aus allen Richtungen kamen Streifenwagen. Auch Mannschaftsbusse wurden laut Polizei herbeigerufen. Sie waren gerade auf dem Weg zum Einsatz beim Bayern-Spiel am Abend in der Allianz Arena – und deswegen in der Nähe. Gleich mehrere Zeugen hatten den Mann gesehen und die Polizei gerufen. Die Beamten verfrachteten den 34-jährigen Münchner in einen Wagen, um ihn im Polizeipräsidium zu verhören. Uniformierte sperrten die Terrasse mit gestreiftem Flatterband ab, damit die Kripo das Gebiet absuchen konnte. Kurzfristig war sogar die ganze Schellingstraße gesperrt. Vielleicht, so die Hoffnung der Beamten, habe der Verdächtige irgendetwas fallen lassen, das Aufschluss über seine Motive gab.

Dieses war auch bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch völlig unklar. Experten glauben nicht, dass er jemanden umbringen wollte. Wie sich schnell herausstellte, trug er ausschließlich Softair-Waffen bei sich, mit denen man aus nächster Nähe zwar einen Menschen verletzen kann, die aber kaum tödliche Wunden verursachen können. Auch die Polizei urteilte in ihrem Bericht: „Personen waren nicht gefährdet.“

Dennoch herrschte rund um die Uni Aufregung. Eine Dozentin blies kurzerhand einen Griechisch-Test ab, zu dem sich ihre Erstsemestler schon eingefunden hatten. Äußerlich aber blieben die meisten ruhig. „Es herrschte keine Panik“, berichtet der Germanistikstudent Jochen Gottlöber (26), der mit Freunden in der Bibliothek gesessen hatte, von wo aus man einen guten Blick auf das Flachdach hat.

Bis zum Abend gab die Polizei nicht bekannt, was der Mann wirklich wollte. Kripobeamte verhörten ihn mehrere Stunden. Die Staatsanwaltschaft prüfte eine Untersuchungshaft. Das Mitführen einer Softair-Waffe ist strafbar.

Kolja Kröger und Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © dpa

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