Ruhegehalt gestrichen

Polizist bedroht Frau mit Schlange

München - Unglaublich, was sich manche Staatsdiener herausnehmen können, bis es endlich kracht … Ein Polizist bedrohte eine Frau mit einer Schlange. Jetzt läuft der Prozess.

Der Mann, um den es am Montag im Verwaltungsgerichts geht, ist nicht zur Sitzung erschienen, sein Rechtsanwalt vertritt ihn. Wie er aussieht, bleibt ein Geheimnis, doch die Liste seiner Verfehlungen zeichnet ein umso klareres Bild von ihm. Jörg H. (Name geändert), Mitte 40, verheiratet, ein Kind, hat sich in seiner Dienstzeit als Polizist so viel zuschulden kommen lassen, dass er im vergangenen Jahr in den Ruhestand versetzt wurde. Wie der Münchner Merkur berichtet, verhandelte das Gericht Montag darüber, ob er sein Ruhegehalt in Höhe von knapp 2000 Euro monatlich weiterhin beziehen darf.

Im Jahr 2007 taucht Jörg H. in einer Arztpraxis auf, weil er ein Arbeitsunfähigkeits-Attest will. Eine Arzthelferin empfängt ihn, doch als Auszubildende darf sie ihm das Papier nicht ausstellen. Jörg H. wählt eine außergewöhnliche Methode, um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen: Er zieht eine Würgeschlange aus seinem Jackett hervor. Aus Angst stellt die Frau ihm das Attest aus. Später wird sie ihren Strafantrag zurückziehen, mit der Begründung, Jörg H. sei betrunken gewesen und sie habe Schmerzensgeld bekommen.

Beim Polizeiarzt ließ sich der Beklagte eher selten blicken, obwohl die Besuche dort vorgeschrieben sind – damit legte er „weisungswidriges Verhalten“ an den Tag, wie die Richterin ausführte. Zwischen Mitte und Ende Dezember 2008 kam er nicht zum Dienst, ohne überhaupt ein Attest einzureichen. Auch wenn es um seinen Urlaub ging, interpretierte Jörg H. die Vorschriften auf seine Weise und verlängerte schon mal per Telefon.

Im Umgang mit Kollegen fiel Jörg H. ebenfalls unangenehm auf. Er soll einen türkischstämmigen Kollegen mehrfach als „Kanacke“ bezeichnet haben. Außerdem wurde er im Supermarkt von einem Kaufhausdetektiv gestellt, als er sechs Päckchen Erdnüsse stehlen wollte.

Über diese lange Liste beriet das Gericht eine halbe Stunde lang. Ergebnis: Kein Ruhegehalt mehr für Jörg H.!

mka

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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