"Na, dann bremsen Sie mal"

Polizist hat die perfekte Knotentechnik

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Drama über dem Abgrund: Der Fahrer (kl. Bild: nach der Rettung) tritt voll auf die Bremse. Die Feuerwehr sichert gerade das Auto

München - Was für ein Glück. Der Mann, der am Friedensengel beinahe abgestürzt wäre, musste einige Minuten bangen. Doch dann kam genau der richtige Polizist.

Die schlimmsten Minuten seines Lebens erlebte ein Münchner Metzger (54) Samstagfrüh gegen 6.30 Uhr. Über sich den Friedensengel, unter sich den senkrechten Abgrund vor Augen– das genügt, um den stärksten Mann umzuhauen. Wie gut, wenn dann einer kommt, der sich mit so was auskennt…

Um 6.26 Uhr meldete sich der Metzger mit zittriger Stimme über den Polizeinotruf. Er hatte auf dem Weg zur Arbeit in den Steilkurven der Prinzregentenstraße zum Friedensengel auf feuchter Fahrbahn reichlich zügig beschleunigt und war ins Schleudern geraten. Der blaue BMW 316 brach aus, rumpelte über den Bordstein und schoss auf den 25 Meter tiefen Abgrund zu. Sein Glück: Der Wagen setzte auf und blieb an der Böschung hängen. Der 54-Jährige wagte kaum noch zu atmen. Er lehnte sich so weit wie möglich zurück, trat die Bremse bis zum Anschlag durch und rief über Handy die Polizei.

Polizist Ralph Stegmeier mit dem rettenden Seil.

Polizeiobermeister Ralph Stegmeir von der Inspektion Bogenhausen war als Erster zur Stelle – und genau der Richtige für diesen kniffeligen Fall. Er fährt selbst privat einen BMW, ist Rettungsassistent und beherrscht perfekt die Knotentechnik. Am offenen Fenster entspann sich ein drehbuchreifer Dialog zwischen dem Fahrer und dem Polizisten. „Helfen Sie mir! Ich rutsch hier gleich runter, wenn ich von der Bremse gehe“, flehte der Fahrer. Und Stegmeir gab die einzig richtige Antwort: „Na, dann bremsen Sie mal!“

Aus dem Dienstwagen holte er ein Seil, das er um die BMW-Achse schlang und mit einem fachmännischen Mastwurfknoten an Lichtmast Nummer 154 vertäute. „Sie sind aber auch nicht gerade 30 gefahren“, versuchte der Polizist ein Gespräch anzufangen und fügte beruhigend an: „So schnell fällt man nicht.“ Dem Metzger stand mittlerweile der Angstschweiß auf der Stirn.

Die Feuerwehr befestigte den BMW zusätzlich mit Bandschlingen an einem schweren Löschfahrzeug. Dann durfte der Unfallfahrer nach einer kurzen Untersuchung durch den Notarzt aussteigen. Ein Abschleppdienst zog den Wagen zurück auf die Straße. Der BMW ist schwer beschädigt. Und der 54-Jährige dankte seinem Schutz- oder besser gesagt dem Friedensengel.

Der steile Berg wird immer wieder Autofahrern zum Verhängnis. Ralph Stegmeir half vor Jahren bereits einer Frau, die mit ihrem Cabriolet abstürzte und schwer verletzt wurde. Am 12. Februar vergangenen Jahres rutschte ein Audi S 3 acht Meter tief ab und krachte gegen einen Baum. Der Fahrer (30) wurde verletzt geborgen. Er hatte in der engen Kurve ebenfalls zu stark beschleunigt.

Dorita Plange

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