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Polizist tritt Disco-Gast in 089-Bar, bis die Knochen splittern

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Schauplatz der Disco-Schlägerei: die 089-Bar © Bodmer

München - Das Geräusch der brechenden Knochen, als der furchtbare Tritt den Kopf des am Boden liegenden Mannes traf – das haben die Zeugen bis heute nicht vergessen.

„Wir dachten, der Mann muss tot sein“, schilderten sie später der Münchner Mordkommission. Ort dieser unfassbaren Brutalität war die 089-Bar auf der Feiermeile am Maximiliansplatz. Das Opfer ist ein 36-jähriger, italienischer Kellner. Der Täter allerdings fällt völlig aus dem Rahmen: Es ist ein Münchner Polizist, der bis Freitagabend in der Polizeiinspektion 23 in Giesing seinen Streifendienst versah. Die Mordkommission nahm Polizeiobermeister Sven G. (30) im Nachtdienst fest. Er sitzt wegen versuchten Totschlags in U-Haft.

Sven G. stammt aus einer Polizistenfamilie. Er tat seit über zehn Jahren Dienst bei der Münchner Polizei. Im Jahr 2003 fiel er schon einmal unangenehm auf. Da hatte er im Zorn seine Freundin misshandelt. Weil Sven G. sich entschuldigte und der Ex ein Schmerzensgeld zahlte, wurde das Strafverfahren eingestellt. So kam er damals noch einmal mit einem disziplinarrechtlichen Verweis davon. Jetzt jedoch ist er dran. Zu brutal war diese Schlägerei, die Sven G. in der Nacht zum 4. Dezember in der 089-Bar anzettelte.

Er war dort Stammgast. Viele kannten ihn mit Vornamen und wussten, dass er Polizist war. In jener Nacht flirtete Sven G. mit einer neben ihm sitzenden Schönheit. Doch er bekam Konkurrenz. Ein italienischer Kellner – selbst als Gast dabei – suchte ebenfalls Blickkontakt. Das allein genügte bereits, um Sven G. unkontrolliert ausflippen zu lassen. Blitzschnell schüttete er dem Nebenbuhler einen Drink ins Gesicht. Der zahlte ihm sofort mit gleicher Münze heim. Da schlug Sven G. voll zu. Seine Faust traf den Kellner ins Gesicht, benommen ging er zu Boden. Noch bevor es jemand verhindern konnten, holte Sven G. mit dem Fuß weit aus wie ein Fußballstürmer – und trat dem Wehrlosen mit voller Wucht gegen den Kopf. Der 36-Jährige erlitt dabei einen mehrfachen Kieferbruch, verlor das Bewusstein. Nach einer Operation geht es dem Italiener inzwischen wieder besser.

Sven G. floh sofort aus der Disco – vermutlich über einen Personalausgang. Nach der Schilderung der direkten Zeugen übernahm die Mordkommission die Ermittlungen. Tagelang ermittelten die Beamten im Disco-Milieu, bis der Kollege von der PI 23 namentlich bekannt und damit identifiziert war. Die Schilderungen der Augenzeugen überzeugten auch die Staatsanwaltschaft München I. „Wir haben am Freitag Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen“, erklärte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger. Noch am selben Abend wurde der Giesinger Streifenbeamte während seiner Nachtschicht um 22 Uhr auf der Straße festgenommen. „Er reagierte völlig ruhig“, schilderte Kriminaldirektor Harald Pickert die Situation. Auf Anraten seines Anwalts schweigt Sven G. Er wurde sofort vom Dienst suspendiert und wird nie wieder als Polizist arbeiten.

Zu einem Gewalt-Exzess mit sieben Verletzten kam es zudem in einer Disco in Bremen, wie nordbuzz.de* berichtet.

In einer Disco in Bremen eskalierte ein Streit zwischen zwei Gruppen. Ein anderer Disco-Besucher erlebte in Bremen den blanken Horror auf dem Heimweg. Beides berichtet nordbuzz.de*.

Dorita Plange

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