Porno-Pfleger in Frauenklinik

München - Ein Pfleger soll im Aufwachraum der Frauenklinik an der Maistraße Patientinnen ohne medizinische Indikation Narkosemittel verabreicht haben. Doch das ist nicht das einzige, was ihm vorgeworfen wird.

Warum er Narkosemittel verabreicht haben soll? Darüber lässt sich nur spekulieren, denn der 58-Jährige bestreitet, den Frauen das Anästhetikum Propofol gespritzt zu haben. Und kein anderer Mitarbeiter hat beobachtet, was der Mann, der inzwischen in der Schweiz arbeitet, während seiner Schicht im Aufwachraum getrieben hat. Immerhin räumt er ein, neben den dösenden Frauen regelmäßig Pornoseiten im Internet angeschaut zu haben. In seinem Spind fand die Polizei außerdem jede Menge unverpackte Kondome.

Seit Mittwoch hatte sich der Pfleger wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht München zu verantworten. Angeklagt hat die Staatsanwaltschaft einen Fall, bei dem der Pfleger einer 23-Jährigen im September 2007 Propofol verabreicht haben soll. Nach einer OP hatte man die Frau in den Aufwachraum geschoben. Dort kümmerte sich eine Schwester um sie. „Die Patientin war ansprechbar“, so die Krankenschwester vor Gericht. Dann habe sie der Kollege kurz vertreten. „Als ich wieder zurück kam, schlief die Frau tief.“ Dies sei ungewöhnlich. Als ihr aufgefallen sei, dass eine Ampulle Propofol fehlte, habe sie dies gemeldet.

Bei Propofol, erklärt Rechtsmediziner Randolph Penning, handelt es sich um ein Kurzzeit-Anästhetikum, das binnen Sekunden wirkt. „Damit kann man Leute zum Dämmern bringen und bewusstlos machen“, sagt er. Problematisch sei, dass es als Nebenwirkung zum Atemstillstand kommen kann.

Die Klinik reagierte schnell. Gezielt setzte man den Pfleger an zwei Tagen im Aufwachraum ein und markierte im Vorfeld die Propofol-Ampullen. Die leeren Ampullen fanden die Mitarbeiter abends im Müll. Die weitere Recherche in der Klink ergab: Mehreren Schwestern war aufgefallen, dass Patientinnen, die schon wach gelegen hätten, während der Schicht des Pflegers plötzlich wieder tief schliefen. Andere hatten bemerkt, dass an Tagen, an denen der Pfleger Dienst hatte, Pornoseiten am Computer aufgerufen worden waren. Die Klinik ließ den Pfleger einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Zudem gab es eine Anzeige. Die Polizei durchsuchte daraufhin die Wohnung des Pflegers. „Dort haben wir Berge von Latex-Handschuhen und ganz viele Medikamente gefunden“, so ein Kriminalbeamter. Richter Marco Peißig sprach den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Die Zeugenaussagen seien ihm zu vage und Sachbeweise wie Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an den Kanülen gebe es nicht.

Bettina Link

Rubriklistenbild: © dpa

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