Poschinger: Die letzten Minuten seines Lebens

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Dirk von Poschinger-Camphausen wurde Opfer eines hinterhältigen Mordes.

München - Mörder sollten kein Handy benutzen. Sonst machen sie es der Polizei anhand der Verbindungsdaten leicht, ihrer Spur zu folgen. So auch im Mordfall Poschinger.

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Das musste am Montag nämlich auch Rainer H. (40) vor dem Schwurgericht erfahren, der wegen Mordes an Dirk von Poschinger-Camphausen auf der Anklagebank sitzt. Anhand der Verbindungsdaten von Täter und Opfer rekonstruierte Mordermittler Jens Liedhegener die letzten Minuten im Leben Poschingers, der am 14. Januar in der Garage des Angeklagten erschossen worden war. Ein erschütterndes Dokument.

9.17 Uhr: Der Täter ruft vom Prinzregentenplatz bei Poschinger an, meldet sich wie schon zuvor als „Arnold“. Es geht um den Verkauf von Poschingers Audi A8.

9.27 Uhr: Neuer Täter-Anruf, man trifft sich kurze Zeit später.

9.47 Uhr: Beide Männer sitzen zur Probefahrt in dem Audi, als Poschinger einen Anruf erhält. Sie sind am Friedensengel.

10.42 Uhr: Telefonat in der Nähe des Busbahnhofs.

10.52 Uhr: Ankunft am Freiburger Platz, dem Wohnort von Rainer H.

11.00 Uhr: Poschinger schreibt eine letzte Email an einen Kollegen. Dann folgt eine besorgte Mail seiner Sekretärin: „Müssen wir uns Sorgen machen? Wo bist du geblieben?“

11.26 Uhr: Poschingers Ehefrau schickt eine besorgte SMS.

11.29 Uhr: Daniela Poschinger versucht, ihren Mann anzurufen. Vergeblich. Weiter Anruf-Versuche erfolgen um 11.31, 11.33, 11.36, 11.52, 11.59 Uhr. Keine Antwort. In dieser Zeit, so die Ermittlungen, hat Rainer H. sein Opfer in seiner Garage erschossen und die Leiche in seinen VW-Bus gelegt.

12.17 Uhr: Ein weiterer Anruf-Versuch Daniela Poschinger schlägt fehl: Handy im „Funkloch“. Grund: Eine Überwachungskamera im U-Bahnhof Laim filmt Rainer H., wie er in den Zug steigt. Er hat das Handy des Opfers dabei. Zwischen Laimer Platz und Theresienwiese gibt es keine Verbindung.

12.22 Uhr: Poschingers Handy „meldet“ sich im U-Bahnhof Theresienwiese an. Alle Anruf-Versuche schlagen aber fehl.

12.52 Uhr: Poschingers Handy ist für immer stumm.

12.55 Uhr: Rainer H. wird gefilmt, wie er die U-Bahn am Hauptbahnhof verlässt.

Eberhard Unfried

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