Poschinger-Mord: Richter rüffelt Zeugen

Der Angeklagte Rainer H.

München -­ Ein Freund des mutmaßlichen Mörders Rainer H. hätte am Tatabend die Leiche des Managers Poschinger-Camphausen sehen können. Das hat sich aus der Zeugenaussage des Freundes am Mittwoch ergeben. Der Zufall wollte es jedoch anders.

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Wie berichtet, will ein anderer Zeuge beobachtet haben, wie Rainer H. am 14. Januar gegen Mittag am Freiburger Platz in Laim einen schweren Sack in einen VW-Bus lud. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um die verpackte Leiche von Dirk von Poschinger-Camp-hausen handelte. Ihn soll Rainer H. kurz zuvor in seiner Garage erschossen haben, um dessen 55 000 Euro teuren Audi verkaufen zu können.

Rainer H.s Freund Thomas I. besuchte seinen Kumpel just an diesem Abend, weil der Angeklagte angeblich seinen Bus verkaufen wollte. Thomas I., gelegentlich auch als Autohändler tätig, zeigte Interesse. Genauer brauche er sich den Bus gar nicht ansehen. „Ich kenne ihn ja“, will er zu Rainer H. gesagt und deshalb nicht ins Innere des Wagens gesehen haben. Zwei Tage später fand die Polizei die Leiche von Poschinger-Camphausen in diesem Auto.

Rainer H.s Freund jedoch interessierte sich am Tatabend mehr für ein anderes Fahrzeug. Der Angeklagte bot ihm nämlich außerdem den Audi des Opfers zum Kauf an. Ein gewisser „Kirkorov“ wolle den Wagen zum Preis von 45 000 Euro veräußern, ob Thomas I. jemanden kenne, der Interesse haben könne. Ja, meinte Thomas I., er wisse da vielleicht jemanden, allerdings müsse der Preis deutlich geringer sein, etwa 35 000 Euro. Das Geschäft wollte man bereits zwei Tage später abschließen.

„Ihnen muss doch klar gewesen sein, dass da etwas nicht stimmt“, fragt der Vorsitzende Richter Michael Höhne nach. Immerhin habe es jede Menge Unstimmigkeiten gegeben: Die Papiere für einen so teuren Wagen habe der Angeklagte aus seiner Garage geholt. Im Fahrzeugschein des Wagens habe ein anderer Name als der des angeblichen Verkäufers „Kirkorov“ gestanden. Das Fahrzeug habe ein Frankfurter Kennzeichen gehabt. Und der Angeklagte habe zuvor noch nie als Autohändler gearbeitet. „Das musste Ihnen doch suspekt vorkommen“, hakt Höhne nach. „Haben Sie bewusst weggeschaut?“

Thomas I. zögert, dann sagt er: „Nein, ich habe mir einfach keine Gedanken gemacht.“ Höhne wirkt verärgert: „Ich habe den Eindruck, dass sie uns hier schlichtweg verarschen.“ Thomas I. reagiert verunsichert, meint zwischendurch, er bräuchte vielleicht besser einen Anwalt, und lenkt dann doch ein.

„Letztendlich war es Ihnen wurscht, was dahinter steckt, Sie wollten einfach nur Geld verdienen“, bemerkt der Richter. Kleinlaut antwortet Thomas I.: „Ja, das stimmt, Tschuldigung.“ Er habe ja nicht wissen können, dass es um einen Mord geht. Der Prozess geht heute weiter.

Bettina Link

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