Mordfall Poschinger: Die Plädoyers

Der Angeklagte Rainer H.

München - Im Prozess um den Mord an Dirk von Poschinger-Camphausen hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den 41-jährigen Angeklagten gefordert. Die Verteidiger plädieren auf Freispruch für ihren Mandanten.

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Das Mord-Puzzle

Lebenslange Haft wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld! Das fordert Staatsanwältin Nicole Selzam im Prozess gegen Rainer H. (41), der wegen Mordes an den Manager Dirk von Poschinger-Camphausen vor Gericht steht. Über den Angeklagten sagt sie: „Sein Leben ist ein einziges Täuschungsmanöver.“

Alle, aber wirklich alle Indizien sprechen gegen den Angeklagten, so die Staatsanwältin: „Eine so erdrückende Beweislage habe ich in einem Indizienprozess noch nicht gefunden.“ Der mutmaßliche Killer hat nach ihrer Ansicht den 36-jährigen Vater von zwei kleinen Kindern deshalb ermordet, um dessen teuren Audi A8 rauben zu können.

Jahrelang schon habe Rainer H. mit Betrügereien sein Einkommen aufgebessert, führte Selzam aus. „Es musste aber erst zu einem Mord kommen, um seine kriminellen Machenschaften zu durchschauen.“ An der Schuldfähigkeit des Angeklagten hat sie keine Zweifel: „Kriminalität ist keine Krankheit!“

Wie an jedem Prozesstag war die Witwe des Opfers, Daniela von Poschinger-Camphausen, auch am Montag wieder anwesend. „Die Familie hätte gerne Antworten auf alle Fragen gehabt, vor allem von dem Angeklagten persönlich“, sagte ihre Anwältin Dr. Gabriele Schöch. Sein Schweigen, sein Pokerface, so Schöch, „war für die Angehörigen ein weiterer Schlag ins Gesicht.“ Sie könne nur hoffen, dass lebenslang für den Täter auch wirklich lebenslang bedeutet. Wie erwartet plädierten die Verteidiger auf Freispruch. „Herr H. ist nicht der Mörder“, rief Anwalt Christian Finke. Sein Kollege Titus Boerschmann brachte sogar die Russen-Mafia ins Spiel: „Er hatte Kontakt zu einem unbekannten Russen mit kriminellem Hintergrund.“

Dieser Unbekannte könnte in einem „Mittäter-Exzess“ das Verbrechen begangen haben. Die tödlichen Schüsse auf Poschinger-Camphausen habe der Angeklagte nicht abgefeuert.

Die Tat sei völlig stümperhaft gewesen, führte Finke aus. „Das passt nicht zur Intelligenz des Angeklagten.“ Rainer H. habe mit seinen Betrügereien eine gute Einnahmequelle gehabt, so der Strafverteidiger. „Es war ihm möglich, mit geringem Entdeckungsrisiko auf einfache Weise Gelder zu beschaffen. Wieso soll man dann das Risiko eingehen, eine solche Tat zu begehen?“

Das Urteil wird am kommenden Donnerstag verkündet.

Eberhard Unfried

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