Poschinger-Mord: Lebenslange Haft für Rainer H.

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Schuldig: Hausmeister Rainer H. muss lebenslang hinter Gitter.

München - Im Prozess um den Mord an Manager Dirk von Poschinger-Camphausen hat das Schwurgericht den 41 Jahre alten Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld bejaht.

Ob Rainer H. jemals wieder frei kommt? Die Richter halten das für sehr fraglich.

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Aufrecht steht Rainer H. hinter der Anklagebank. Wie mehr als 100 Zuschauer wartet auch der Angeklagte darauf, dass Kamerateams und Fotografen den Schwurgerichtssaal verlassen, damit der Vorsitzende Richter Michael Höhne das Urteil sprechen kann. Die Hände hält Rainer H. locker ineinander gelegt vor seinem Oberkörper. Der Blick richtet sich ohne festen Punkt in den Raum. Noch wirkt er gelassen.

Doch dann, kaum merklich, mahlt sein Kiefer, als Richter Höhne loslegt: „Der Angeklagte ist schuldig des Mordes und des Raubes mit Todesfolge.“ Dafür sehe das Gesetz nur eine lebenslange Freiheitsstrafe vor, sagt Höhne. Zudem wiege die Schuld des Angeklagten schwer – eine Haftentlassung nach 15 Jahren ist so unmöglich.

Als Höhne das sagt, scheint Rainer H. sich gedanklich bereits verabschiedet zu haben. Wie an allen anderen Prozesstagen in den vergangenen fünf Monaten wandelt sich sein Gesichtsausdruck in eine gelangweilte, arrogante Miene. Und die wird er für den Rest seines Auftrittes vor Gericht nicht mehr ablegen.

Für die Kammer, sagt Höhne, bestehe keinerlei Zweifel daran, dass Rainer H. den 36 Jahre alten, zweifachen Familienvater Dirk von Poschinger-Camphausen am 14. Januar 2010 in eine Falle gelockt und mit 13 Schüssen ermordet hat, um an dessen Audi A8 zu kommen. Dabei habe es sich nicht um eine Spontantat gehandelt, sondern um die Verwirklichung eines seit Jahren ausgeheckten, perfiden Plans.

Ebenso stehe für das Gericht fest, sagt Höhne, dass Rainer H. als Alleintäter gehandelt habe. Es sei geradezu abwegig, dass die Verteidigung einen möglichen Mittäter der Russenmafia ins Spiel bringe, der das Opfer im Exzess erschossen haben soll. Ebenfalls ändere es nichts an der Überzeugung des Gerichts, dass Rainer H.s früherer Chef als Einziger ausgesagt habe, sein Mitarbeiter habe sich zur Tatzeit im Büro befunden. „Zeugen können irren“, sagt Höhne, „humanbiologische Spuren täuschen sich nicht.“

Und davon gibt es jede Menge: Unter anderem fanden sich DNA-Mischspuren von Rainer H. und dem Opfer am Tatort, der Garage des Angeklagten in Laim. Ebensolche Spuren gab es in den Leichensäcken, in die Rainer H. den Toten verpackt und in seinem VW Bus abgelegt hatte.

Hinzu käme, erklärt Höhne: „Der Angeklagte hatte ein Motiv – Habgier.“ Er habe Geld benötigt, seine Schulden seien täglich angewachsen. Das Selbstbild des Angeklagten als jemand, der die Fäden in der Hand halte und mit Millionen jongliere, habe nichts mit der Realität gemein. Jahrelang habe Rainer H. getäuscht und getrickst, sagt Höhne. „Nun beging er einen eiskalten Mord und zerstörte eine junge Familie – wegen eines Audi A 8.“

Die geltungsbedürftige und dominante Persönlichkeit des Angeklagten führe zu einer denkbar schlechten Prognose, wenn es darum gehe, ob er jemals wieder frei gelassen werden könne, sagt Höhne. Darüber freut sich Rechtsanwalt Heinz Schöch, der die Witwe des Opfers vertritt: „Er wird sicher weit mehr als 25 Jahre im Gefängnis bleiben, damit ist meine Mandantin zufrieden.“ Allerdings wird Rainer H. wohl in Revision gehen.

Bettina Link

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