Details im Poschinger-Mord: Todeskampf dauerte ein Stunde

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Rainer H. (40) soll den Münchner Manager Dirk von Poschinger-Camphausen mit 13 Schüssen hingerichtet haben.

München - Im Mordprozess um den vor einem Jahr beim Verkauf seines Autos erschossene Manager Dirk von Poschinger-Camphausen wurden erschütternde Details bekannt. Der 36-Jährige musste lange leiden.

Sein Sterben habe wenigstens eine halbe, eher aber eine Stunde gedauert, sagte am Dienstag ein Rechtsmediziner vor dem Münchner Schwurgericht im Mordprozess gegen den 40-jährigen Angeklagten. Der Sachverständige schloss auf die Dauer des Todeskampfes aus dem Blut, das sich im Magen und Darm des Opfers angesammelt hatte. Dessen Witwe blieb während des Obduktionsberichts im Sitzungssaal.

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Der Angeklagte soll am 14. Januar 2010 den 36 Jahre alten Investmentmanager beim Verkaufsgespräch über dessen Wagen in seiner Garage mit 13 Schüssen aus einer Kleinkaliberpistole getötet und die Leiche in seinen Kleintransporter geschleppt haben. Der technische Objektmanager habe den Toten ohne weiteres heben können, widersprach der Rechtsmediziner der Verteidigung, die auf eine Leistenoperation fünf Monate zuvor hingewiesen hatte. Die Rekonvaleszenz nach einem solchen Eingriff dauere “maximal“ sechs Wochen.

Als Tatmotiv nimmt die Staatsanwaltschaft Habgier an. Der Angeklagte sei verschuldet gewesen. Deswegen habe er sich auch mit krummen Geschäften Geld zu verschaffen versucht. Laut einem Geschäftsfreund hat der 40-Jährige sich von ihm Aufträge erschlichen mit der Zusage, ihn am Gewinn zu beteiligen. Die “Provision“ sei mit Scheinrechnungen über ein Ingenieurbüro abgewickelt worden. Dieses Ingenieurbüro gehörte dem Angeklagten und lief auf einen Strohmann.

Der Indizienprozess sollte in dieser Woche beendet werden. Ob es am Freitag zu einem Urteil kommt, ist wieder offen. Die Verteidigung hat noch zehn Beweisanträge gestellt, darunter einen Augenschein in der Garage des Angeklagten, die nicht der Tatort sein könne. Es seien dort nicht die fehlenden drei Projektile - zehn Schüsse waren laut Gutachten Steckschüsse - gefunden worden, die zumindest Defekte an Gegenständen verursacht haben müssten, auf die sie trafen.

dpa

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