Fehlender Durchblick

Posse im Maximilianeum: Neue Fenster für 120.000 Euro 

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Das Maximilianeum am Abend: Die Fenster an der Westfassade mussten nach der Sanierung erneut ausgewechselt werden, weil der Durchblick verschwommen war.

München - Im Rahmen einer Sanierung wurden im Maximilianeum neue Fenster eingebaut. Dann stellte sich heraus - man kann nicht hindurchsehen. Die neuen Fenster mussten durch noch neuere ersetzt werden - für 120.000 Euro.

Ein Fenster ist, so verrät der in vielen Fragen weise Duden, eine „meist verglaste Öffnung“, verschlossen „mit gerahmtem Glas“. Von durchsichtig steht da nichts. Kann man Bayerns Politik und Bürokraten deshalb einen Vorwurf machen für ihre jüngste Posse? In kollektiver Bemühung bauten sie in den Landtag Fenster ein, durch die man nicht klar durchsehen kann. Konnte ja auch keiner ahnen.

Tatsächlich hat der Landtag nun neue Fenster, neue-neue sogar. Bei der Sanierung der Westfassade sind die großen Bogenfenster, durch die staunende Besucher auf die Maximilianstraße und weithin über München blicken können, ausgetauscht worden. Die Fassade zu erneuern, ist energetisch unumstritten. Der Dämm-Standard von 1874, zur Zeit König Ludwig II., ist nicht mehr der beste. Dabei wurde allerdings ein teurer Sonderweg gewählt: Auf Anregung des Landesamts für Denkmalpflege baute man „Goethe-Glas“ ein. Das entspricht historisch dem Glas der damaligen Zeit.

Nach dem Einbau staunten Politik und Publikum: Der Blick über München ist verzerrt, selbst bei nüchterner Betrachtung glaubt man, durch einen dreckigen Masskrug zu sehen. Der Ausblick aus dem Steinernen Saal des prunkvollen Parlaments – völlig verloren.

Über fehlenden Durchblick musste sich der Landtag fortan bundesweit verspotten lassen. Die Politik nehme ihre Außenwelt „nur noch verschwommen wahr“, witzelte etwa die Stuttgarter Zeitung. Das Präsidium des Parlaments (aus CSU, SPD, Grünen und Freien Wählern) befand einstimmig: Wir tauschen das Glas nochmal aus, die komplette Fensterfront. Diesmal durchsichtig.

Seit dem Ende Sommerpause herrscht nun wieder Weitblick im Maximilianeum am Isarhochufer. Das Extra-Vergnügen kostet den Steuerzahler nach Angaben eines Landtagssprechers 120 000 Euro. Eigentlich möchte das Parlament an die Posse gar nicht gern erinnert werden. Noch zu klären wäre aber die Schuldfrage. Der Landtag teilt in weise gewählten Worten mit, beim Goetheglas sei die Bauverwaltung „einer verbindlichen Empfehlung des Landesamts für Denkmalpflege gefolgt“. Verbindlich? Oder nur empfohlen?

Das Denkmalamt weist das ebenso wortgewandt zurück. „Der Einsatz von Goetheglas wurde vom Landesamt für Denkmalpflege angeregt, also nicht verbindlich gefordert, sondern als eine Möglichkeit vorgeschlagen“, erklärt Generalkonservator Mathias Pfeil, der Behördenchef. Er betont, der Landtagsspitze seien dieses Glas und andere Sorten vorher genau gezeigt worden. „Einvernehmlich“ habe man sich dann für das Goetheglas entschieden. Wer das liest, meint auch, durch Goetheglas zu blicken.

Na gut, lässt Behördenchef Pfeil noch mitteilen, vielleicht seien die Glasmuster etwas „kleinflächig“ gewesen. Nein, den Vorwurf, sie hätten zu tief ins Glas geschaut, kann man den Beteiligten nicht machen.

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