Zwei Münchner drehen am Rad

Künstler werden zur lebenden Windkraft-Anlage

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München - Das Künstler-Duo Thomas Huber und Wolfgang Aichner macht sich auf den Weg nach Island, um dort zur lebenden Windkraft-Anlage zu werden. Mit ihrer Aktion wollen die Münchner ihre Mitmenschen wachrütteln.

Thomas Huber (l.) und Wolfgang Aichner werden Energie-Selbstversorger

Im Juni 2011 zogen die Münchner Künstler Thomas Huber und Wolfgang Aichner ein knallrotes Boot (nicht aus Gummi, sondern Glasfaser und Polyesterharz) über die Alpen bis zur Kunst-Biennale von Venedig. Wo sie es beherzt versenkten. Und jetzt? Geht es nach Island auf den höchsten Gletscher, den Vatnajökull. Ohne Boot, dafür mit Windrädern auf dem Rucksack. Jeder der beiden Extremkünstler schleppt um die 30 Kilo mit sich herum – warum? Weil sie klarmachen wollen, wie verschwenderisch wir mit Energie umgehen. Sie sind sozusagen ihre eigenen Akkus und drehen am Rad – oder lassen am Rad drehen. Hier alles über das alles andere als windige Projekt:

Am Mittwoch geht’s los. Der Flieger steigt nach Island. Am 8. September will man vom Basislager aus starten, einer Hütte der isländischen Eisforscher. In drei Tagen geht’s dann zur Hütte auf Islands größtem Gletscher, den Vatnajökull auf rund 2000 Meter. Einen Tag oben bleiben, dann wieder zurück. Und immer laufen die Windräder auf den Buckeln…

Thomas Huber und Wolfgang Aichner wollen zum Nachdenken über unseren Energie-Konsum anregen. Energie, sagen sie, geht zu leicht her und ist zu billig. Wie viel braucht der Mensch denn wirklich? Mehr als die beiden schon – ihr Ziel: Mit den per Windrad gewonnenen Watt wollen sie zuhause in München die Waschmaschinen schleudern lassen – um den Island-Schweiß loszuwerden (siehe Interview unten).

Je 30 Kilo schleppt jeder mit sich herum auf rund 60 Kilometern Länge. Höllisch aufpassen muss man nicht auf der Tour – die Gletscherspalten liegen derzeit frei, und für zwei Bergfexe ist der Weg nicht zu anspruchsvoll. Aber das Wetter kann „grausam“ werden, wie das Paar sagt: „Sehr unberechenbar, wir haben großen Respekt und stehen in Verbindung mit dem isländischen Wetteramt, damit wir heil herunterkommen. Wir wollen die Strecke so schnell wie möglich hinter uns bringen.“ Gerade derzeit gebe es ein furchtbares Unwetter mit Windstärken von 40 Meter pro Sekunde und Schneefall. Wenn’s zu viel wird, dann müssen die beiden die Windräder vom Rücken nehmen.

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Im Internet unter www.powerwalk2013.org kann man die Tour ab 8. September verfolgen – inklusive Tagebuch und Fotos. Ein Kameramann ist mit dabei – die Aktion soll schließlich ausführlich dokumentiert werden inklusive Energiestatus und Wegstrecke.

Die Akkus sind aus Blei. Macht’s nicht leichter, aber sie sind die besten für die Sicherheit und Temperaturen weit unter Null…

Matthias Bieber

Die Künstler im tz-Gespräch

Mit der gewonnenen Energie in Ihren Akkus wollen Sie Ihre Wäsche in zwei Waschmaschinen waschen. Reicht der Saft?

Aichner/Huber: Wir haben alles ziemlich genau berechnet. Es wird wahrscheinlich nur für einen Kaltwaschgang reichen. Aber mit zwei Maschinen, jeder wäscht seine Wäsche.

Wär’s energetisch nicht sinnvoller, den Flug und die Jeep-Fahrt zum Vulkan zu sparen und dafür auf der Zugspitze rumzukraxeln?

Aichner/Huber: Die Energiebilanz ist nicht optimal, darüber brauchen wir nicht reden. Es geht nicht ums Aufrechnen, um eine Null-Bilanz, wir haben keine wissenschaftliche Ausrichtung. Der Mensch verbraucht am Tag etwa 2000 Watt pro Stunde (W/h), wir hingegen produzieren 250 W/h – wir wollen zeigen, dass der Energiehunger in unserer Zeit Wahnsinn ist.

Und was isst man so unterwegs?

Aichner/Huber: Trockennahrung, Fisch, den gemeinen Knorr-Eintopf.

Werden Sie denn Ihre Akkus unterwegs anzapfen – etwa für einen Tee?

Aichner/Huber: Für Tee haben wir fossile Brennmittel. Huch, jetzt hab ich’s gesagt: Fürs Handy gibt’s etwa einen Zusatzakku. Aber wir schlüsseln alles genau auf: Was verbrauchen wir, was nehmen wir ein? Wir werden im Internet auch einen Live-Ticker dazu schalten.

Spender gesucht

Rund 30.000 Euro kostet das Kunst-Experiment, zwei Drittel zahlen Sponsoren. Fürs letzte Drittel, die Post-Produktion der Filme, benötigt man noch Spender. Wer mitmachen will: Auf www.startnext/powerwalk gibt’s alles zum Projekt und die Möglichkeit zur Mitfinanzierung. Bis gestern Nachmittag waren 3400 Euro gesammelt.

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