Anschlag auf Kammerspiele-Projekt

Hier verbrennt ein Kunst-Apartment

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Gestern früh morgens: Auf der Schwindinsel (Praterinsel) lodern die Flammen. Unbekannte haben ein Kunstwerk zerstört.

München - Der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt: Zum Glück war niemand drinnen! Und der zweite folgt zugleich: Wie bescheuert (oder einfach nur besoffen) muss man sein, um dieses quietschgelbe Gebäude abzufackeln?

Erst am Samstag haben drei schottische Studenten im Rahmen des Kammerspiele-Projekts Shabbyshabby Apartments ihren Beitrag auf der Schwindinsel der Praterinsel aufgebaut. Stolz waren sie auf ihr Werk, das monatelange Planung und eine Woche Schweiß und Mühe für den Aufbau gekostet hat. Und jetzt: Alles kaputt, alles in Rauch aufgegangen …

Gestern morgen, 6.15 Uhr: Die Polizei erhält einen Anruf, dass auf der Schwindinsel meterhohe Flammen zu sehen seien. Vier Minuten später ist die Feuerwehr mit einem Einsatzfahrzeug (sechs Mann) unterwegs zum Tatort. Als die Einsatzkräfte ankommen, ist das Apartment namens Yellow Submarine schon so gut wie niedergebrannt. Mit Feuerlöschern wurde der Rest erledigt, der Einsatz dauerte 50 Minuten.

Warum hieß das Apartment Yellow Submarine? Weil die drei Künstler Kurt Cleary, Laura Petruskeviciute und Paulina Naruseviciute (alle 25) aus insgesamt 16 Badewannen ein ebenso schnuckliges wie witziges Apartment gebaut und quietscheentengelb bemalt hatten. Ihr U-Boot – inklusive Periskop zum Rausschauen – war eines von zwei Dutzend Wohnräumen, die für das Kammerspiele-Projekt derzeit in München stehen und für 35 Euro die Nacht inklusive Frühstück (in der Kammerspiele-Kantine) gemietet werden können. In der Nacht von Montag auf Dienstag war das Hütterl zum Glück nicht vermietet, sagen die Kammerspiele der tz.

Gestern vormittag, 10 Uhr: Es riecht verkokelt am Tatort, aber es raucht nicht mehr. Keine Bierflaschen oder Zigarettenkippen liegen herum – die Polizei hat alle möglichen Spuren aufgesammelt. Also alle Flaschen oder Kippen, die relativ frisch hier herumlagen. Zwei Beamte waren vor Ort.

Welche Auswirkungen hat das auf das Projekt, das Stadtgespräch ist? Muss man nun Angst haben, wenn man in einem der so kreativ und liebevoll gestalteten Apartments eine Übernachtung angemeldet hat oder das noch tun will? Nein, sagen die Kammerspiele. Die Anzahl der Securityleute, die bisher Patrouille gingen von Giesing übern Rosengarten bis zur Staatsoper, wird erhöht. Ab sofort steht die ganze Nacht eine Security-Mann vor jedem Apartment.

Wir empfehlen Ihnen, sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, mal ganz anders und an einmaligen Orten zu übernachten. Hier geht’s: Vier Apartments gibt’s in der Maximilianstraße, zwei am und eines im Isartor, dazu auf der Museumsinsel, im Rosengarten, am Hans-Mielich-Platz, am Alpenplatz oder am Candidplatz (Skatepark). Dies ist eine Auswahl.

Alle Infos rund um die Kammerspiele-Aktion: muenchner-kammerspiele.de, Tel. 233 966 00. Bewerbung nur telefonisch oder an der Tageskasse, Maximilianstraße 28. Das Projekt läuft bis 13. Oktober.

Matthias Bieber

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