Preis-Schock! 50 Lebensmittel im Vergleich

München - Wirsing statt Weißkohl: Wer derzeit bei Lebensmitteln sparen will, muss seinen Speiseplan umstellen. Denn die Kosten explodieren in diesen Wochen geradezu.

 „Die Preise stehen unter Druck. Sie haben teilweise ihren Höhepunkt von 2008 wieder erreicht“, bestätigt Alexander Spickenreuther, Lebensmittel-Chef beim Handelsverband Bayern. Manche Waren sind derzeit so teuer wie noch nie.

Wir machen den Preis-Vergleich für München: Die Daten des Statistischen Amtes für die 50 wichtigsten Nahrungsmittel zeigen, dass 31 Produkte im Jahresvergleich teils deutlich teurer geworden sind, fünf im Preis stagnierten und sich nur 14 Waren verbilligten. Und da ist der Preis-Schock der letzten Wochen noch nicht enthalten, weil die Zahlen der Stadt bis März verfügbar sind. Ende Mai gab es nur noch Obst und Gemüse günstiger – weil darauf wegen der EHEC-Seuche keiner mehr Appetit hatte. Die wichtigsten Antworten:

Wie ist die Lage?

Alle Preise stiegen im Mai um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gab das Statistische Bundesamt bekannt. Damit liegt die Inflation weiter so hoch wie seit dem Rekord-Jahr 2008 nicht mehr. Für den Verbraucherpreisindex ermitteln Statistiker die Kosten für 750 Produkte und Dienstleistungen.

Zwei Prozent? Ich zahle aber deutlich mehr!

Stimmt. Im amtlichen Warenkorb machen Nahrung und Getränke – neben etwa Mieten, Computern oder Kino-Karten – elf Prozent aus. Während Elek­tronik erschwinglicher wird, wachsen die Preise für Essen mit 3,3 Prozent besonders stark. Dazu kommt: Die Kosten für Nahrung schmerzen am meisten, weil sie täglich fällig werden und man den Preisen beim Klettern zusehen kann. Statistiker nennen das „gefühlte Inflation“. Man bekommt ja kaum noch ein Pfund Kaffee unter fünf Euro …

Diese Produkte setzen auf Natur statt Aromastoffe

Diese Produkte setzen auf Natur statt Aromastoffe

Welche Produkte sind derzeit am teuersten?

Für den Mai sieht das Statistische Bundesamt Weißkohl (+38%!) ganz oben, danach Butter (+28%), Kaffee (+22%), Pommes und Pflanzenöl (je +18%). Das deckt sich mit der Stadt-Tabelle, in der die Preise bis März noch nicht ganz so stark angestiegen waren. Zusätzlich war Brot (+15%) speziell in München deutlich teurer.

Warum steigen die Preise?

Das hängt von der Branche ab: Beim Kaffee treiben Spekulanten ihr Unwesen, erklärt Spickenreuther vom Handelsverband. Beim Fisch fischen die Japaner nach der Atom-Katastrophe statt ihr Meer nun den Weltmarkt leer. Getreide ist nach einer Flut in China mit einer vernichteten Ernte rarer. Und Knappheit treibt die Preise.

Und der Bio-Sprit E10?

Bauern setzen vermehrt auf Getreide und Raps für Kraftstoff, dadurch werden Flächen für Nahrung knapper. Der Einfluss auf die Kosten sei aber sehr gering, versichern Bundeslandwirtschaftsministerium und Bauernverband.

Wie geht es weiter?

Die Preise steigen, prognostiziert der Handel – vor allem bei Brot, Zucker und Rindfleisch. Immerhin: Die Kosten für Milch und Schweinefleisch sollen stabil bleiben.

Die 50 wichtigsten Lebensmittel – und ihre Preise in München

 

Produkte/Preise in Euro Menge

2005

März

2010

März

2011

März

Vergleich

2010-2011

Rindfleisch zum Kochen 1 kg 7,47 7,50 7,84 +5%
Rindfleisch zum Braten 1 kg 11,94 10,54 10,70 +2%
Lammfleisch (Schlegel) 1 kg 14,70 14,70 14,89 +1%
Schweinebraten 1 kg 7,61 6,35 5,63 -11%
Schweinekotelett oder -schnitzel 1 kg 7,22 6,46 6,09 -6%
Kalbfleisch 1 kg 20,07 22,39 22,84 +2%
Salami 1 kg 17,11 13,37 13,33 0%
Feine Leberwurst 1 kg 11,98 9,39 8,93 -5%
Gekochter Schinken 1 kg 15,33 10,65 10,45 -2%
Fertige Fleischpfanne 1 kg 9,99 6,83 7,31 +7%
Kabeljau, anderer Fisch im Anschnitt 1 kg 16,80 20,98 21,28 +1%
Seelachsfilet, anderes Fischfilet 1 kg 11,06 15,14 16,68 +10%
Geräucherte Makrelen 1 kg 8,63 12,71 13,68 +8%
Brathähnchen (tiefgefroren) 1 kg 2,17 2,37 2,36 0%
Pizza (tiefgefroren) 300g 1,89 1,88 1,86 -1%
Eier 10 Stück 1,62 1,67 1,67 =
H-Milch 1 l 0,65 0,80 0,81 +1%
Emmentaler, anderer Hartkäse 1 kg 9,83 7,45 7,55 +1%
Edamer, anderer Schnittkäse 1 kg 7,91 7,27 7,23 -1%
Butter 250 g 1,10 1,00 1,26 +26%
Margarine 500 g 0,93 1,20 1,06 -12%
Pflanzenöl 1 l 2,13 2,13 2,26 +6%
Roggen- oder Mischbrot 1 kg 2,79 2,26 2,59 +15%
Körner- oder Vollkornbrot 750 g 2,44 2,53 2,74 +8%
Weißbrot 500 g 1,82 1,59 1,83 +15%
Semmeln 1 Stück 0,27 0,21 0,22 +5%
Mehl 1 kg 0,86 0,78 0,79 +1%
Reis 500 g 1,42 1,30 1,30 =
Linsen oder andere Hülsenfrüchte 500 g 1,04 1,60 1,61 +1%
Nudeln 500 g 1,39 1,38 1,31 -5%
Erbsenkonserve 280 g 0,81 0,73 0,67 -8%
Apfelmus oder andere Obstkonserve 720 ml 0,94 0,85 0,93 +9%
Marmelade, Konfitüre, Gelee 450 g 1,70 1,83 1,83 =
Bienenhonig 500 g 3,82 3,40 3,49 +3%
Bohnenkaffee 500 g 3,76 4,64 5,30 +14%
Schwarzer oder grüner Tee (lose) 250 g 5,81 6,95 7,26 +4%
Bier 0,5 l 0,73 0,85 0,87 +2%
Speisekartoffeln 2,5 kg 2,36 2,67 2,79 +4%
Weißkohl 1 kg 1,29 1,27 1,35 +6%
Wirsingkohl 1 kg 1,90 2,11 1,80 -15%
Kopf- oder Eisbergsalat 1 Stück 2,08 1,50 1,28 -15%
Speisemöhren 1 kg 1,20 1,21 1,35 +12%
Speisezwiebeln 1 kg 1,02 1,19 1,33 +12%
Tomaten 1 kg 3,66 3,99 3,44 -14%
Blumenkohl 1 Stück 2,99 2,73 2,22 -19%
Salatgurken 1 Stück 1,95 1,23 0,94 -24%
Tafeläpfel 1 kg 1,96 2,06 2,36 +15%
Tafelbirnen 1 kg 2,29 2,67 3,11 +16%
Bananen 1 kg 2,28 1,45 1,58 +9%
Zitronen 1 Stück 0,45 0,38 0,43 +13%
Quelle: Statistisches Amt der Landeshauptstadt München, tz-Berechnungen

David Constanzo

Rubriklistenbild: © ap

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