So teuer wird der MVV - Stammkunden zahlen drauf

München - Der MVV wird wieder teurer – aber nicht ganz so teuer wie befürchtet: Um im Schnitt 2,3 Prozent steigen die Preise zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember, beschlossen Stadt, Freistaat und Landkreise am Freitag.

Der MVV hatte zuvor eine „Zielmarke“ von 2,8 Prozent ausgegeben. Dabei kommen die Gelegenheitsnutzer am besten weg, die Stammkunden zahlen dafür drauf. Dennoch hält die Aktion Münchner Fahrgäste die Erhöhung für „ausgewogen“.

Das wichtigste Ticket ist die ­Streifenkarte, viele Münchner tragen sie im Geldbeutel mit sich: Sie bleibt heuer unangetastet und kostet weiter 12 Euro. Gleiches gilt für alle Einzel­tickets: Erwachsene zahlen 2,50 Euro pro Zone, Jugendliche 1,20 Euro pro Zone, aber selbst für lange Fahrten höchstens 4,80 Euro, Kinder sogar nur 1,20 Euro, egal, wie weit die Fahrt geht. Anstieg: null Prozent!

Da der MVV aber bis zu 15 Millionen Euro zusätzlich braucht, muss das Geld anderswo her. Und wenn die Preise für Gelegenheitsfahrer mit ­Streifenkarte oder Einzel­tickets gleich bleibt, müssen Stammkunden und Touristen mehr zahlen: So kostet die meistgekaufte Monatskarte für zwei Ringe künftig 46,40 Euro – der Anstieg von 1,50 Euro entspricht 3,3 Prozent. In diesem Bereich liegen alle Wochen- und Monatskarten des MVV.

Noch einen drauflegen müssen Benutzer von Tageskarten, aber nur im Innenraum – also vor allem Touristen und Tagesausflügler. Das Partner-Ticket im Innenraum verzeichnet sogar den stärksten Anstieg: Die 40 Cent Aufschlag auf 10,20 Euro bedeuten ein Plus von 4,1 Prozent. OB Christian Ude (SPD), zugleich Chef der MVV-Gremien, rechtfertigte die Erhöhung: „Die MVV-Tarife bleiben im kommenden Jahr sehr moderat. Ein Vergleich mit anderen Verkehrsverbünden in Deutschland zeigt, dass München die geringste Erhöhung vornimmt.“ Ausdrücklich weist der OB darauf hin, dass Preiserhöhungen nur mit den Stimmen von Stadt und Freistaat möglich waren. In Zeiten knapper Kassen sei der Nahverkehr mehr denn je auf angemessene Einnahmen angewiesen.

Die Aktion Münchner Fahrgäste zeigte sich einverstanden. „Man kann damit leben“, sagt Sprecher Andreas Nagel und lobt die Ausgewogenheit. Bei der vergangenen Preiserhöhung seien die Stammkunden noch gut davongekommen. Und die im Vergleich günstigen Tarife für Gelegenheitsfahrer könnten zum Umsteigen vom Auto auf den Nahverkehr animieren. Aber Nagel erneuerte auch eine Forderung: „100 Prozent Fahrpreis darf es nur mit 100 Prozent Leistung geben!“

Hier die wichtigsten Änderungen auf einen Blick:

o Die Fahrpreise des Zonentarifs werden durchschnittlich um 1,0 % angehoben, z.B.

o die Single-Tageskarte Innenraum um 0,20 € von 5,40 € auf 5,60 €

o die Single-Tageskarte Gesamtnetz um 0,20 € von 10,80 € auf 11,00 €,

o die Partner-Tageskarte Innenraum um 0,40 € von 9,80 € auf 10,20 €,

o die Partner-Tageskarte Gesamtnetz um 0,40 € von 19,60 € auf 20,00 €.

o Die Preise der Streifenkarte, der Einzelfahrkarten und für die Fahrrad- Tageskarte werden nicht angehoben.

o Die Einzelfahrpreise für Kinder sind bereits seit 3 ½ Jahren auf gleichem Niveau und können hiermit ein weiteres Jahr konstant gehalten werden. Bis zum 15.03.2012 können die bis zum 10.12.2011 geltenden Tageskarten noch aufgebraucht, gegen Aufzahlung umgetauscht oder – zeitlich unbegrenzt – gegen ein Entgelt von 2,00 € je Bearbeitungsvorgang erstattet werden.

o Die Fahrpreise des Zeitkartentarifs werden durchschnittlich um 3,2 % angehoben, z.B. o die IsarCard-Wochenkarte für 2 Ringe um 0,40 € von 12,30 € auf 12,70 €,

o die IsarCard-Monatskarte für 2 Ringe um 1,50 € von 44,90 € auf 46,40 €,

o die Monatskarte IsarCard9Uhr Innenraum um 1,60 € von 48,10 € auf 49,70 €,

o die Monatskarte IsarCard60 Innenraum um 1,30 € von 39,50 € auf 40,80 €.

Die Preisanpassung

o für Wochenkarten erfolgt zum 12.12.2011,

o für Monatskarten und Abonnements zum 01.01.2012

Dafür sollen ein paar Busse mehr fahren

Pünktlich zur Preiserhöhung stellt die Münchner Verkehrsgesellschaft eine leichte Verbesserung bei den Bussen vor: 22 Linien werden verstärkt. MVG-Chef Herbert König sagt: „Bereits zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember wird die MVG mehr Verbesserungen umsetzen als ursprünglich geplant.“ Seit Einführung des neuen Busnetzes Ende 2004 sei die Zahl der Buskunden um 12 Prozent gestiegen. Mit den zusätzlichen Einnahmen wolle man das Angebot verbessern.

Mehr Fahrten:

Auf 17 Linien sollen ab Dezember ein dichterer Takt angeboten werden. Entlang der Isar soll der Bus 132 untertags künftig alle 10 statt alle 20 Minuten unterwegs sein. Auch auf den Linien 146, 160, 166 und 188 wird das Angebot teilweise verdoppelt. Andere Linien bekommen zusätzlich einzelne Fahrten, wieder andere fahren am Abend und in der Nacht länger.

Mehr Platz:

Auf den Linien 100, 133, 151, 152 und 155 werden einzelne, kurze Busse durch Gelenkbusse ersetzt.

Neue Haltestellen:

Drei Stopps kommen dazu – im Tal (Bus 132), in der Bergmannstraße (53) und am Schwester-Eubulina-Platz (152).

Schneller:

Die Museenlinie 100 spart künftig an den Ampeln fünf Minuten ein.

Nachtlinien:

Das Netz wird neu gestaltet. Insgesamt erhöht sich die Busleistung laut MVG um 1,5 Prozent.

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

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