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Wohnen im Alter: Satter Aufpreis in München - besonders barrierefreies Wohnen geht richtig ins Geld

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Von: Nadja Hoffmann

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Für barrierefreie Wohnungen muss mehr gezahlt werden.
Für barrierefreie Wohnungen muss mehr gezahlt werden. © Mascha Brichta/dpa

Wer in München in einer seniorengerechten Wohnung leben will, der muss sich zum einen frühzeitig darum kümmern. Und braucht das nötige Kleingeld.

München - Diese Zahlen schockieren: Bis zu 250 Euro mehr müssen Senioren zahlen, die eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Wohnung mieten wollen. Das zeigt eine Angebots-Analyse des Portals Immowelt. Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen normaler und barrierefreier Wohnung in Berlin, Hamburg und Bremen. In München*, wo die Mieten ohnehin meist astronomisch sind, ist der Alters-Aufpreis geringer. Trotzdem: Für viele Senioren schmerzt jeder Euro an Mehrausgaben.    

Wohnen im Alter: Aufschlag in München im Vergleich zu den Mieten sogar moderat

Doris P. ist Pechvogel und Glückskind zugleich: Zwar leidet die 77-Jährige unter den Folgen eines schweren Unfalls, kann nicht mehr richtig gehen und saß eine Zeitlang sogar im Rollstuhl. Kurz bevor sie in diese schwere Lebensphase kam, ist sie aber in eine seniorengerechte Wohnung umgezogen - die als Genossenschafts-Immobilie auch bezahlbar ist. „Ich hatte großes Glück“, sagt die Münchnerin dankbar, die Mitglied des Vereins „Generationengerechtes Wohnen“ der Wohnungsgenossenschaft München-West (WGMW) ist. Denn sie zahlt im Westend* nur 9,38 Euro pro Quadratmeter.

Dass die Preise eigentlich richtig raufgehen, wenn man eine barrierefreies Domizil beziehen will, zeigt eine Analyse des Portals Immowelt von 14 deutschen Städten. An der Isar liegt der Senioren-Aufpreis „nur“ bei 90 Euro. Erklärung laut Immowelt: „In München, der teuersten Stadt Deutschlands, sind die Mieten so hoch, dass der Aufschlag im Vergleich eher klein ausfällt.“ Corona, zeigt sich jetzt, ist dabei weiterer Preistreiber.

Wohnen im Alter: Möglichst früh informieren und kümmern

Für viele Menschen lautet trotzdem das Ziel, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Das ist auch dann grundsätzlich möglich, wenn es sich dabei nicht um Eigentum handelt, erklärt Wohnberaterin Angelika Russ vom Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen. Wichtig für Mieter sei es natürlich, sich mit dem Besitzer abzusprechen und über alle Handlungsmöglichkeiten zu informieren. „Und das möglichst früh.“ Es brauche Zeit, einen Überblick zu bekommen, Förderungen zu beantragen und aktiv zu werden. Wenn das alles ohne Zeitdruck geschieht, lasse sich meist die bessere Lösung finden. Wichtige Frage: „Was ist im Einzelfall sinnvoll?“ Die Möglichkeiten fangen beim Anbringen von kleinen Hilfsmitteln an und enden bei einem großen Komplett-Umbau.

Zwei Beispiele: Bevor ein Treppenlift installiert werden muss, helfen schon angeschraubte, beidseitige Handläufe bei einem Aufstieg. Im Badezimmer sorgen zusätzliche Griffe am Waschbecken oder ein WC mit einer höher angesetzten Keramik für Verbesserungen. In der Ausstellung des Kompetenzzentrums haben Interessierte die Möglichkeit, sich Optionen vor Ort anzuschauen. Und vielleicht auch Hemmungen zu verlieren. Barrierefreiheit werde laut Russ oft mit Scham verbunden. „Dabei ist sie ein Mehrwert für jeden.“ Auch für eine Mutter, die den Kinderwagen nicht ins Haus bekommt. Oder einen Sportler, der vom Skiwochenende mit einem Gips zurückkommt.

Wohnen im Alter: Viele kleine Umbauten machen das Leben leichter

Für Doris P. war es nach ihrem Unfall ein Segen, dass ihre Wohnung komplett für Senioren ausgelegt ist. „Als ich im Rollstuhl saß, kam ich ganz einfach in die ebenerdige Dusche.“ Oder vor das Waschbecken, unter dem Freiraum ist. Rutschfeste Fliesen sorgen für Halt. Ein Aufzug vernetzt die zehn Parteien im Genossenschaftshaus, in dem alle Türen breiter angelegt sind. Details, die das Leben einfacher machen. „Für mich war das alles die Rettung.“ Auch ihr Tipp lautete deshalb: rechtzeitig kümmern! *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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