„Lasse mich nicht entmutigen“

Priesteranwärter postet Foto mit schwulem TV-Star am Odeonsplatz - und wird dafür gefeuert

Odeonsplatz - München
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Hier am Odeonsplatz machte Henry Frömmichen im Herbst 2020 ein Selfie mit „Prince Charming“.

Ein Foto mit einer prominenten Person in Münchens Zentrum. Eigentlich nichts Ungewöhnliches - einem 21-Jährigen wurde es jedoch zum Verhängnis.

München - Im Herbst machte Henry Frömmichen ein Selfie mit Alexander Schäfer aus der TV Sendung "Prince Charming" von RTL. Damals ahnte er noch nicht, was diese Fotos für drastische Folgen haben könnte. Für die Priesterausbildung gab Frömmichen alles auf und zog nach München. Sein Traum platze jedoch nur einige Monate später - wegen eben dieses Fotos auf Instagram.

München: Instagram-Foto mit „Prince Charming“ führt zu Rauswurf aus dem Priesterseminar

Herny Frömmichens Traum war es Priester zu werden. „Ich wollte halt immer da stehen, wo mein Heimatpfarrer stand – am Altar. Und fand das immer spannend und faszinierend“, sagt er gegenüber dem Deutschlandfunk. Er gab seinen Job als Bestatter und seine Beziehung auf und zog nach München, um am Priesterseminar teilzunehmen. Nach drei Monaten war die Ausbildung für ihn jedoch schon wieder zu Ende - und zwar wegen eines Postings. Den Rauswurf behielt Frömmichen vorerst für sich.

Im Herbst 2020 traf Frommichen zufällig Alexander Schäfer, den Protagonisten der Gay-Bachelor Sendung „Prince Charming“ am Münchner Odeonsplatz. Die RTL-Show ist ein Dating-Format, ähnlich wie bei „Der Bachelor“ und „Die Bachelorette“. Jedoch soll sich dieses Mal kein Paar zwischen Mann und Frau finden, sondern eine Liebe zwischen zwei schwulen Männern aus der Sendung hervorgehen. Anstatt Rosen verteilt der Gay-Bachelor Krawatten. Da Frömmichen den „Prince Charming“ über Instagram kannte, sprach er ihn einfach an. Eine Folge der RTL-Sendung habe er allerdings noch nie gesehen.

Nach gutem Gespräch über Homosexualität mit Schäfer - Frömmichen fliegt aus dem Seminar

Dem Deutschlandfunk erzählt er, was er für ein tolles Gespräch über Homosexualität und die katholische Kirche mit Schäfer hatte. Das Thema, das den ehemaligen Bestatter selbst umtreibt: „Weil ich ja selber schwul bin und daher selber auch immer in einem Konflikt mit mir stehe, wenn ich jetzt in einer Institution bin, die mich eigentlich aufgrund meiner Sexualität ablehnt.“ Die Kulisse der Münchner Theatinerkirche habe er für das Selfie nicht bewusst gewählt.

Nachdem der Vatikan im März dieses Jahres sich auch noch deutlich gegen die Segnung für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen hatte, ging Frömmichen an die Öffentlichkeit. Er teilte in einem Video auf Instagram seine Geschichte. Mit dem Instagram-Foto wollte er Haltung zeigen. Ihm wurde allerdings vorgeworfen, er würde sich mit Homosexuellen solidarisieren und diese Art von Homosexualität - wie sie in der Sendung dargestellt werde - propagieren. Das war auch der Grund des Rauswurfs aus dem Priesterseminar.

Nach Rauswurf aus Priesterseminar: Frömmichen bleibt trotzdem Katholik - „Ich lasse mich nicht entmutigen“

Die Haltung des Seminarleiters sei für ihn „symptomatisch“ für die katholische Kirche:  „Weil es eben einfach diese Falschheit und diese Doppelmoral ist, wie es in unserer Kirche zugeht.“ Solange das Thema nicht nach außen getragen werde, sei alles gut, aber sobald irgendetwas, wie zum Beispiel das Foto, an die Öffentlichkeit gelangt, sei es nicht mehr in Ordnung. „Sobald nicht drüber gesprochen wird, ist alles in Ordnung. Und das wurde mir suggeriert,“ so Frömmichen.

In seinem Instagram-Post schreibt er, er sei unendlich dankbar, dass alles so gekommen ist und sein „Blick dadurch geschärft wurde“. Er hätte nie gedacht, dass die Begegnung mit Alexander Schäfer so weitreichende Folgen für ihn habe. „Ich lasse mich nicht entmutigen, für meine Herzenssache zu kämpfen, egal in welcher Form dies in Zukunft geschehen wird.“ Den Gefallen aus der Kirche auszutreten werde er ihnen nicht tun, wie er Deutschlandfunk erklärt. Genau das sei das Ziel, „die weg zu bekommen, die den Mund aufmachen und sich nicht alles gefallen lasse.“ Er wolle daher erst Recht in der Kirche bleiben. (tkip)

Video: Das ist die schlüpfrige Vergangenheit von „Prince-Charming“-Star Alexander Schäfer

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