MVG verärgert

Regierung zieht neue Tram aus dem Verkehr

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Die acht Avenio-Züge warten im Depot auf ihren nächsten Einsatz.

München - Schon wieder Drama um die Tram: Die Regierung von Oberbayern hat acht Avenio-Bahnen aus dem Verkehr gezogen, die seit Herbst 2014 durch München fuhren.

Der Grund für die Maßnahme: Es fehlen Papiere.

Vergangenen Herbst hatte die Regierung schon mit fast einem Jahr Verspätung eine vorübergehende Betriebserlaubnis für die in Wien von Siemens gebauten Züge erteilt. Diese lief zunächst bis März 2015 und wurde seitdem monatsweise verlängert – bis die Regierung die Genehmigung vorigen Freitag ersatzlos auslaufen ließ. „Dafür fehlt uns jedes Verständnis,“ so MVG-Sprecher Matthias Korte zur tz. Und weiter: „Wir haben sämtliche offenen Punkte zur Erlangung einer unbefristeten Zulassung längst erledigt.“ Zumeist sei es Formalien gegangen, sogar nachträgliche und „extrem kurzfristig“ eingereichte Forderungen der Regierung seien erfüllt worden. Korte: „Das Ganze ist absurd.“

Die Regierung entgegnet, dass am Freitag noch Unterlagen gefehlt hätten, und zwar das Instandhaltungs- und Fahrerhandbuch. Man habe diese Papiere schon im Oktober 2013 verlangt. „Die Handbücher wurden erst am 30. Juli 2015 von der MVG zur Verfügung gestellt.“ Jetzt würden sie geprüft. Es handle sich dabei keineswegs um Formalien, „sondern um sicherheitsrelevante Anwendungsbedingungen, bei deren Einhaltung ein sicherer Betrieb der Fahrzeuge erst gegeben ist.“

Die Rathaus-SPD versteht das nicht: „So geht das nicht weiter!“, wettert SPD-Stadtrat Jens Röver. „Das Streben nach einer möglichst großen Sicherheit im Nahverkehr ist ja grundsätzlich richtig und begrüßenswert. Man kann es damit aber auch eindeutig übertreiben – und das scheint hier der Fall zu sein.“

Die MVG hatte die acht Avenio-Züge 2012 für 29 Millionen Euro bestellt, nachdem es mit den seit 2009 ausgelieferten Variobahnen des Berliner Herstellers Stadler nichts als Ärger gab (siehe unten). Und nun fährt die Avenio-Bahn nicht. Gut nur, dass jetzt Ferien sind. Wegen Baustellen und Ferienfahrplan kann die MVG auf die Züge verzichten. Ob die Regierung die Bücher bis Ferienende geprüft hat und die Bahnen wieder fahren dürfen, ist unklar: „Eine Prognose, wann die unbefristete Abnahme erteilt werden kann, ist derzeit nicht möglich.“

Johannes Welte

Auch da hapert es:

Variobahn: Sorgenkind aus Berlin

Ab 2009 lieferte der Berliner Hersteller Stadler 14 Variobahnen an die MVG aus. Die Aufsichtsbehörde entzog die Betriebserlaubnis im Juli 2010 wegen Problemen am Fahrwerk. Im Dezember 2011 wurden sie wieder zugelassen. 2013 und 2014 legten Serienschäden am Fahrwerk die Züge wochenlang lahm. Die MVG verzichtete auf weitere Bestellungen.

Die Geister-U-Bahn 

Auch für die neue U-Bahn des Typs C2 hat die Regierung noch keine Zulassung erteilt – zwei Jahre nach der Präsentation im Werk in Wien. 17 Züge stehen derzeit nutzlos in Siemens-Depots herum, auch hier gibt es keine Betriebserlaubnis, weil Siemens erst noch Mängel beseitigen muss.

Verzögerung bei neuer Linie

Im April dieses Jahres sollte der Bau der neuen Tramlinie nach Steinhausen beginnen. Die Regierung konnte aber den Planfeststellungsbeschluss nicht rechtzeitig erlassen. Grund waren laut MVG „personelle Engpässe“.

Trauerspiel um die Park-Tram

Eine Tram durch den Englischen Garten soll eine Nordtangente bilden. Die Regierung von Oberbayern lehnte das Projekt 2001 wegen der Oberleitung ab. Die MVG experimentierte mit einem Akku auf einer Variobahn. Da die Variobahn floppte, steht die Akkutram nun nutzlos im Depot.

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