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Münchens berühmtester Herz-Chirurg geht in Rente

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Herz-Chirurg Prof. Bruno Reichart

München - Tausende Menschen verdanken ihm ihr Leben: Professor Bruno Reichart zählt zu den international führenden Kapazitäten der Herzchirurgie. Jetzt nimmt der Transplantations-Spezialist vom Klinikum Großhadern Abschied.

Den 65. Geburtstag hat Bruno Reichart längst hinter sich, auch wenn man es ihm wirklich nicht ansieht, und die Rente mit 67 war auch keine Option für den weltberühmten Münchner Herzchirurgen. Jetzt aber ist der Professor aus dem Uni-Klinikum Großhadern 68 Jahre alt geworden, und da gibt es auch für eine Kapazität wie ihn keine Ausnahme: Die Altersgrenze ist erreicht! Heißt das für für den Mediziner aus Leidenschaft, dass er sich nun ganz auf den Ruhestand konzentriert? Dass er nur noch seinen Hobbys Malen und Tennisspielen nachgeht und sich seiner Familie widmet? All diese Fragen konnte er gestern selbst nicht beantworten. Sein Aufenthaltsort gab aber genug Aufschluss über Reicharts Zukunft – der Mann befand sich auf einer Tagung!

Auch wenn Bruno Reichart weiter forscht und referiert – sein Ausscheiden bedeutet für die Herzchirurgische Klinik und Poliklinik der LMU das Ende einer Ära. Vor drei Jahrzehnten war er einer deutschen Pioniere der Herztransplantation: Im August 1981 wagte er als junger Oberarzt seine erste Transplantation. Mittlerweile wurden in der Herzchirurgie über 1100 Herzen verpflanzt, wie das Klinikum mitteilt. Das Wort „Routine“ möchte Reichart trotzdem nicht hören.

Reichart, der in Wien geboren und in Ingolstadt aufgewachsen ist, hat in Erlangen und München studiert und seine Ausbildung in mehreren Münchner Kliniken und Praxen vervollständigt. Immer wieder kam er nach Großhadern, in den frühen 1970er Jahren zunächst als Assistent des Herzchirurgen Prof. Rudolf Zenker, der schon 1969 erstmals eine Transplantation versucht hatte, die aber fehlgeschlagen war. Nach einem USA-Aufenthalt – dem ersten von mehreren – kam der junge Mann als Oberarzt und Stellvertreter Zenkers zurück.

1984 sorgte Reichart wieder für Schlagzeilen, als er erstmals in der Geschichte der deutschen Chirurgie die gleichzeitige Verpflanzung von Herz und Lunge vornahm. Eine Sensation. Kein Wunder, dass Christiaan Barnard auf den jungen Mann aufmerksam wurde: Er hatte in Kapstadt mit der weltweit ersten Herztransplantation Geschichte geschrieben. „Er ist jung und ehrgeizig genug, um für Fortschritte auf dem Gebiet der Herzchirurgie zu sorgen“, mit diesen Worten empfahl Barnard den Münchner als seinen Nachfolger. Fünf Jahre in Südafrika folgten, begleitet wurde er von seiner zweiten Frau Elke. 1990 schließlich kehrte er zurück nach München und wurde Direktor der Herzchirurgie und Poliklinik in Großhadern. Er sorgte auch hier für Fortschritte, ganz wie es sein Mentor Barnard prophezeit hatte. Die Operationstechniken wurden stetig verbessert und verfeinert und weiterentwickelt.

In den letzten Jahren widmete sich Reichart einem vielversprechenden Projekt: der Transplantation von Schweineherzen. Sie könnten laut Reichart die Rettung für viele Menschen sein, für die kein menschliches Spenderherz zur Verfügung steht. Weiter wird er als Sprecher der von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderten Gruppe „Xenotransplantation“ bleiben.

Professor Reichart kümmert sich seit Jahren auch um kranke Kinder aus Drittweltländern, sammelt Spenden zum Beispiel für den Verein Rette ein Kinderherz. Insgesamt hat er über 100 Kindern, die mit irreparablen Herzfehlern geboren wurden, die Chance auf ein normales Leben geschenkt.

Barbara Wimmer

Die Legende am OP-Tisch

Bruno Reichart wurde am 18. Januar 1943 in Wien geboren. Er wuchs in Ingolstadt auf, studierte in München und Erlangen. 1971-73 Assistent in der Chirurgischen Uni-Klinik, 1973: als Gastarzt in Memphis/Tennessee, Spezialisierung auf koronare Herzchirurgie. 1977 Oberarzt und Stellvertreter in Großhadern, 1979 Anerkennung als Chirurg für Thorax- und Cardiovascularchirurgie. 1980: bei Kapazität Prof. Norman Shumway an der Stanford University/Kalifornien. 1978-1982: Gastarzt in Boston, Birmingham, Milwaukee und Paris. Bis 1984 in Großhadern. 1985-90 auf Empfehlung von Prof. Christiaan Barnard in Kapstadt. 1985 Hochzeit mit der Münchner Journalistin Elke Dietrich, die beiden haben einen 23-jährigen Sohn, Daniel-Tennessee (der zweite Vorname nach Reicharts Lieblings-US-Staat). Reichart setzt sich seit Jahren in der Öffentlichkeit für Organspende ein.

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