Drehtag mit Ude und Otti

Promi-Armada hilft der Schoppenstuben-Gerti

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Vom Parteitag in die Kneipe: Oberbürgermeister Christian Ude kam spät am Abend zum Videodreh.

München - Wirtin Gerti muss aus ihrer Schoppenstube raus. Sie sucht einen neuen Ort für ihre Kneipe. Unterstützung erhält sie von einer ganzen Armada Prominenter, die für die Wirtin nun ein Video gedreht haben. Wir waren dabei.

Die Sonne geht gerade unter, als Regisseur Marcus H. Rosenmüller auf seinem Tretroller um die Ecke zur Fraunhofer Schoppenstube saust. Er bremst, grinst und sagt hastig: „Um halb neun bin ich wieder da, i muas no auf die Kloane aufpassen“. Ein paar Menschen stehen vor der Kneipe, sie grüßen, sie nicken. Dann schiebt der Rosi, wie sie ihn hier nennen, mit einem Bein wieder an, drei Mal, ganz kräftig, und weg ist er wieder. Er muss halt noch auf seine Tochter aufpassen.

Aber den Termin später, den will der Rosi auf gar keinen Fall verpassen. Denn an diesem Samstagabend, da wird der Wirtin der legendären Fraunhofer Schoppenstube, Gerti Guhl, geholfen. Mit einem Video, das ein paar junge Filmemacher gerade drinnen drehen. Ein Zweiminüter, in dem es darum geht, für die Gerti und ihre Kneipe einen neuen Platz zu finden. Der Vermieter hat den Vertrag nicht verlängert, Gerti Guhl muss nach fast 40 Jahren raus. 15 verschiedene Lokale hat sie sich schon angesehen, erzählt sie. Aber es war noch nicht das Richtige dabei. Aufhören will sie aber nicht: „Du kannst die Leute ja nicht auf der Straße stehen lassen.“

Die junge Regisseurin Kathrin Anna Stahl und ein paar ihrer Freunde denken, dass mit der Schoppenstube ein Stück Kultur verloren geht. Ein Stück altes, authentisches München, dass nun hinausgentrifiziert wird. Weil Fraunhoferstraße, puh, sehr schick und sehr zentral, da kann ein Vermieter schon was verlangen. Stahl und ihre Freunde sind mit diesem Gedanken nicht alleine. Marcus H. Rosenmüller, Münchens OB Christian Ude, Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl, Kabarett-Buddha Ottfried Fischer, Döblingers Kasperltheater, die Moderatorin Conny Glogger, Schauspieler Ferdinand Schmidt-Modrow. Die Liste der Unterstützer ist lang.

Sie alle trudeln am Samstagabend nacheinander in Gertis Kneipe ein. Sie alle spielen in dem Video mit. Es ist ein vogelwilder Abend. Drinnen ist es laut und heiß, die Scheinwerfer und die 50 Komparsen und Filmleute haben den Raum aufgeheizt. Kabelsalat am Boden, ein riesiges Mikro in der Luft, in der Mitte des Raums eine Kamera. Wirtin Gerti flitzt von einem Tisch zum nächsten und versorgt die Leute mit Essen und Trinken. In einer Ecke sitzt Ottfried Fischer und verputzt gerade sein zweites Fleischpflanzerl, als Christian Ude zur Tür reinkommt. Direkt aus Augsburg, vom SPD-Parteitag. Er trägt einen schwarzen Anzug und eine rote Krawatte. Gerti Guhl schreit: „Applaus fürn Herrn Ude“. Ude grinst und sagt: „Gerti hör auf, des wird furchtbar.“

Dann geht’s schnell. Ude wird kurz gepudert, die Gerti stellt ihm ein Weißbier hin, Regisseurin Stahl zeigt dem OB, was er wohin sagen muss. Die Promis sprechen jeweils eine Zeile aus dem alten Lied „Erst wenn’s aus wird sein“, das Regisseurin Stahl und ihre Freunde extra für die Gerti umgeschrieben haben. Das wird später dann zusammengeschnitten mit einem Musikvideo der Band „Schicksalscombo“, die das Lied performt. Ude spricht mit viel Gefühl in die Kamera: „...die Gerti braucht jetzt einen ganz neuen Raum.“

Der Oberbürgermeister braucht fünf Anläufe, dann ist alles im Kasten. Er stellt sein Weißbier ab und sagt: „Es wäre schade für die Stadt und ihre Atmosphäre, wenn eine Kneipe mit so einer Wucht verschwinden würde.“ Ein Satz, den jeder versteht, der schon mal bei der Gerti war.

Nächste Aufnahme. Der Rosi ist da. Die Filmleute bugsieren ihn hinter die Bar, neben die Gerti. Regisseurin Kathrin Anna Stahl gibt Anweisungen: „Rosi, du fällst aus dem Bild, wenn die Gerti dich schubst.“Aber gar nicht so leicht, weil der Rosi fliegt einmal zu schnell aus dem Bild, einmal zu langsam, einmal verpasst er seinen Einsatz. Rosenmüller sagt: „Deswegen bin I ja eigentlich hinter der Kamera“.

In eineinhalb Wochen soll der Film fertig sein, dann wird man ihn bei Youtube sehen können, vielleicht auch im Kino. Und vielleicht meldet sich dann ja jemand, der für die Gerti und ihre Schoppenstube ein schönes Platzerl weiß.

Patrick Wehner

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