Promi-Wirt Bachmaier: Wilde Party nach Drogen-Razzia

München - Nach der Rauschgift-Razzia gab Promi-Wirt Hugo Bachmaier Vollgas - und schmiss eine wilde Party mit einigen Promis: die Bilder.

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Drogenrazzia bei Hugo Bachmaier

Auf die Rauschgift-Razzia folgte eine rauschende Party: Szene-Wirt Hugo Bachmaier konnte auch sein unfreiwilliger Ausflug ins Polizeipräsidium die Feierlaune nicht verderben. Zurück vom Verhör, ließ er es mit seinem 200 Gästen so richtig krachen beim „Bayerisch-griechischen Freundschaftsfest“. Der 53-Jährige lud unter dem Motto ein: „Dresscode ist Weiß. Je weniger, desto besser!“ Und so gab es im Bachmaier Hofbräu in der Leopoldstraße 50 jede Menge nackte Haut! Doch auf die Fete folgte am Donnerstag der Kater: Bachmaier lässt über seinen Anwalt ausrichten, dass er die Vorwürfe gegen ihn „ausdrücklich bestreitet“.

Die Bilder der wilden Party

Promi-Wirt Bachmaier: Wilde Party nach Drogen-Razzia

Mittwoch, 18.30 Uhr: Zwei Dutzend Polizisten stürmen das Lokal. Zeitgleich gibt es einen Zugriff in seiner Wohnung in Feldmoching. Bachmaier muss mit ins Präsidium und sich „erkennungsdienstlich behandeln“ lassen.

Schon seit Dezember ermittelt das Drogen-Dezernat gegen einen Dealer, der das Münchner Nachtleben im großen Stil mit Drogen versorgte. „Im Rahmen dieser Ermittlungen trat ein 53-jähriger Münchner Wirt in zwei Fällen als Kokainabnehmer auf“, heißt es im Polizeibericht.

Das Amtsgericht erließ Durchsuchungsbeschlüsse für die Wohnung des Wirtes und das Bachmaier Hofbräu sowie einen „Beschluss zur körperlichen Untersuchung“. Bei der Razzia wurden die Personalien von 54 Kellnern und Bedienungen aufgenommen sowie von zwei Gästen. Einen Mitarbeiter nahm die Polizei fest. Gegen ihn bestanden drei Haftbefehle!

Im Lokal wurde kein Rauschgift gefunden, wohl aber offenbar in Bachmaiers Privaträumen. Nach Informationen der tz soll es sich um geringe Mengen Kokain handeln. Sein Anwalt Peter Guttmann bestreitet dies: „Bei den Durchsuchungen im geschäftlichen aber auch im privaten Bereich wurden auch keinerlei Drogen gefunden, die Herrn Bachmaier zuordenbar sind.“ Bachmaier selbst schweigt. „Ich kann zu dem laufenden Verfahren nichts sagen, Auskünfte erteilt nur noch mein Anwalt“, sagte er hörbar nervös der tz.

Bei der Fete in seinem Lokal in der Nacht zuvor war dies noch ganz anders. „Der war richtig gut drauf, die Feier ging bis zwei Uhr morgens“, verriet ein Partygast. Als eine der Table-Dancerinnen mit Geldschein im Mund auf dem Tisch und an der Stange tanzte, saß Bachmaier genüsslich daneben.

Im Staatlichen Hofbräuhaus, von dem Bachmaier 2005 das Lokal gepachtet und als hippe Partylocation etabliert hat, ist man wenig begeistert. „Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, aber Herr Bachmaier wird sich erklären müssen für die Vorwürfe und Vorfälle an diesem Abend“, sagte ein Sprecher.

Jacob Mell, Stefan Dorner

 

 

So funktioniert Münchens Drogenszene

Junkies, die vorm U-Bahnhof Heroin aufköcheln, gebrauchte Spritzen im Gebüsch – solche Szenen gehören an der Isar nicht zum Alltag. „Es gibt in München keine offene Drogenszene“, erläutert Klaus Fuhrmann vom Suchthilfe-Verein Condrobs. Trotzdem hat auch die Landeshauptstadt ein Drogenproblem: „Experten schätzen allein die Zahl der Opiat-Abhängigen auf 4000 bis 5000“, berichtet Josef Gallus vom Gesundheitsreferat. Zur Gruppe der Opiate gehört Heroin.

In München treffen sich Süchtige und Dealer vor allem in Privatwohnungen. Das liegt an der Strategie der Polizei. Sie bemüht sich darum, jede auch noch so kleine offene Drogenszene sofort zu zerschlagen. „Dadurch wollen wir das Entdeckungsrisiko für Dealer hochhalten“, erklärt der Chef des Rauschgiftdezernats, Armin Aumüller. Dieser Kon­trolldruck zeige Wirkung. Ein Indiz dafür seien die hohen Preise in der hiesigen Rauschgiftszene. „In München kosten harte Drogen im Schnitt doppelt so viel wie in anderen Städten“, berichtet der Polizei-Experte. Für ein Gramm Heroin blättern Junkies – je nach vermeintlicher Qualität – 50 bis 120 Euro hin, für dieselbe Menge Kokain 80 bis 120 Euro.

Und am Ende bezahlen viele Käufer sogar mit dem Leben. Heuer sind bereits 19 Menschen an den Folgen ihrer ­Drogensucht gestorben, 2010 waren es 47.

Die Strategie von Polizei und Behörden stößt aber nicht nur auf Zustimmung. Bei einer Gedenkveranstaltung für die Drogentoten gestern auf dem Marienplatz forderten Suchthilfe-Experten eine Kurs­änderung. „Viele Drogentote wären zu vermeiden gewesen, wenn es mehr Hilfsangebote gegeben hätte“, sagte Michael Tappe von der Münchner Aids-Hilfe. Durch eine Ausgrenzung der Abhängigen und Vertreibung aus dem Stadtbild lässt sich das Problem nicht lösen“, erklärte Alexander Golfidis vom Suchthilfe-Verein Getaway, der selbst über Jahre heroinabhängig war. Seine Befürchtung: Es werde immer schwerer für die Sozialarbeiter, die Konsumenten mit ihren Hilfsangeboten zu erreichen.

Die Polizei hält dagegen. Dezernatsleiter Aumüller: „Wir haben es in München mit unserer Strategie geschafft, hohe Sicherheitsstandards zu setzen.“

Andreas Beez

 

Immer mehr Party-Drogen

Immer mehr Münchner greifen zu chemischen Rauschmitteln – so genannten Party-Drogen. „Wir beo­bachten diese Entwicklung mit Sorge. Insbesondere deshalb, weil permanent neue und sehr gefährliche Substanzen auf den Markt kommen“, sagte Klaus Fuhrmann vom Suchthilfe-Verein Condrobs der tz. Die Polizei warnt vor einem „irrsinnigen Gesundheitsrisiko“.

Wie der Münchner Arzt Ben Cossham berichtet, kommt es beim Konsum von künstlichen Drogen immer wieder zu schweren Zwischenfällen. „Man spricht von einer geringen therapeutischen Breite. Es kann sein, dass der Konsument gar nichts merkt, er kann aber auch ganz schnell auf der Intensivstation landen.“

Das große Problem: Beim Handel mit künstlichen Drogen kennt der Einfallsreichtum offenbar keine Grenzen. Der Leiter des Rauschgiftdezernats, Armin Aumüller, zur tz: „Wir haben sogar schon Substanzen entdeckt, die normalerweise zur Betäubung von Mastbullen vor der Schlachtung verwendet werden. ­Die Konsumenten werden immer ­risikobereiter.“

bez

 

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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