S-Bahn: So lasch ist das neue Alkoholverbot

+
Party in der S-Bahn am Vorabend des Alkoholverbots in Hamburg – in München sind auch derartige Aktionen zum Verbot am 11.12. geplant.

München - Für Vorabend des erstaunlich laschen Alkohol­verbots in den Münchner S-Bahnen, das am 11. Dezember greifen soll, wurde auf Facbook ein Massenbesäufnis angekündigt. Was die Organisatoren planen:

Lesen Sie dazu:

Alkoholverbot in S-Bahn: So soll es ablaufen

Die Hamburger haben’s vorgemacht: Dort trat das Verbot am 1. Oktober in Kraft – Tausende stürmten daraufhin am 30. September mit Bierkästen bepackt die Bahnsteige und machten Züge zu rollenden Partybuden. Auf Facebook rufen Münchner Gruppen auf, es den Hanseaten nachzumachen. Die Gruppe MVV-Abschiedstrinken schreibt: „Treffpunkt ist um 20 Uhr am Stachus-Brunnen! Bringt ordentlich Alkohol, Pfeifen und Protestplakate mit!“ Über 300 Münchner haben sich schon angemeldet.

„Verboten sind solche Veranstaltungen im Prinzip nicht“, sagt Berti Habelt von der Bundespolizei. Wenn es aber zu Problemen wie etwa überfüllte Bahnsteige käme, müsse die Polizei eingreifen – verantwortlich ist dann der Facebook-Initiator. Er kündigt an, dass diese Massenbesäufnisse nicht ohne Kontrolle vonstatten gehen werden: „Wir beobachten diese Seiten stetig und überlegen genau, wo wir mit wie vielen Leuten sein werden.“

Danach soll es, wie bereits bei U-Bahn, Bus und Tram, vorbei sein mit klirrenden Flaschen. „Wir sind keine Kneipe“, sagt der Münchner S-Bahn-Chef Bernhard Weis­ser. Gestern haben S-Bahn und Bundespolizei ihr Konzept zur „Durchführung mit Augenmaß“ vorgestellt. Hier die Details:

Hier gilt’s:

Das Verbot bezieht sich ausschließlich auf das Innere der Züge und nicht auf Bahnhöfe. Warum? „In den offenen Bereichen wäre es nur schwer durchzuführen“, so Weisser von der S-Bahn. Außerdem würden die Bahnhöfe in einen anderen Kompetenzbereich fallen.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde

Das ist verboten:

Nur der Konsum, also das Trinken während der Fahrt, ist nicht mehr erlaubt. Eingekaufte, verschlossene Flaschen dürfen weiter transportiert werden. Alkoholisierte Fahrgäste sind auch weiter willkommen. Sind aber rappelvolle Fahrgäste auf dem Rückweg vom Feiern nicht potenziell aggressiver als zum Beispiel Fahrgäste, die mit einem Bier in der Bahn „vorglühen“? Das kann die S-Bahn nicht beantworten. Es gehe vor allem darum, dass sich andere Fahrgäste in Gruppen mit Alkoholflaschen unsicher fühlten – und um einen „Bewusstseinswandel“ in der Bevölkerung.

Das droht bei Missachtung:

Geldstrafen wie in Hamburg (40 Euro) sind zumindest vorerst nicht vorgesehen. Bahn und Polizei wollen auch kein zusätzliches Personal einsetzen – der Status Quo mit 250 S-Bahn-Sicherheitsleuten sei ausreichend. Wenn jemand ab 11. Dezember in der S-Bahn trinkt, soll er „zunächst auf das Verbot hingewiesen werden“, so Weisser. Es reiche, wenn der Fahrgast die Flasche hinstelle, eine Beschlagnahmung sei nicht vorgesehen.

Und wenn der Fahrgast dann weitertrinkt, nachdem die Sicherheitssleute wieder weggegangen sind?

Weisser: „Die Kollegen behalten die betreffenden Personen weiter im Blick …“ Wer sich allerdings weigert und andere Fahrgäste stört, könne auch aus der S-Bahn geworfen werden, notfalls mit Hilfe der Bundespolizei. Aber auch hier beschwichtigen Bahn und Polizei gleich wieder: „Wir wollen keine Konfrontation. Wir setzen auf die Einsicht der Fahrgäste.“

Die Kampagne:

Zur Aufklärung wird es Informationsplakate geben – die mit ihrem Spruch „Sixpacks werden hier nur noch aufgerissen, wenn sie Beine haben“ etwas schwierig zu verstehen sind. Zusätzlich gibt es Aufkleber und Flyer, und vom 8. bis zum 10. Dezember werden Promotion-Teams Fahrgäste persönlich ansprechen.

N. Bautz / J. Mell

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
FCB-Meisterfeier: Sperrungen, Kontrollen und keine U-Bahn 
FCB-Meisterfeier: Sperrungen, Kontrollen und keine U-Bahn 

Kommentare