Provinzbahnhof München

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Schmalspur-Service und Dauer-Stau: Am Fahrkartenschalter schränkt die Bahn den Verkauf ein

München - Bald reduziert die Deutsche Bahn die täglichen Schalteröffnungszeiten am Münchner Hauptbahnhof. Dabei kommt es jetzt schon oft zum Stau. Die Bahn verteidigt die Maßnahmen.

Mit knapp 1500 Zügen und rund 350 000 Fahrgästen täglich ist der Münchner Hauptbahnhof der drittgrößte in Deutschland und hält Platz 40 in der Weltrangliste. Doch wer eine Fahrkarte kaufen will, findet sich in einem Provinzbahnhof wieder: Ab 22. November reduziert die Deutsche Bahn die täglichen Schalteröffnungszeiten auf sieben bis 21 Uhr. Grund: Personalmangel.

An der Fahrkartenausgabe im Weltstadt-Bahnhof München mit seinen Millionen Touristen wurden Reisende noch in den 80er-Jahren täglich von 5.30 bis 0.30 Uhr bedient. In den Jahren 2000 und 2006 wurden die Öffnungszeiten erstmals zusammengestrichen: Derzeit haben die Schalter in der Haupthalle von sechs bis 22 Uhr geöffnet.

„Die Schalter in Halle und Reisezentrum sind früh morgens und auch abends stark frequentiert“, sagt Paul Eichinger von der Bahn-Gewerkschaft GdBA. Trotzdem schickt die DB die Reisenden ab nächster Woche vor sieben und ab 21 Uhr zum Automaten.

Nach tz-Informationen sind am Hauptbahnhof 16 Stellen unbesetzt. Gründe sind die hohe Fluktuation durch die starke Arbeitsbelastung, die schlechte Bezahlung (1200 Euro netto für einen ledigen Beschäftigten!) sowie ein Einstellungsstopp während der Wirtschaftskrise und eine, so die Gewerkschaft, falsche Personalpolitik.

Eichinger: „Durch die verfehlte Personalpolitik und den Personalmangel kommt es im Verkaufsbereich Süd zu eklatanten Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz. Mitarbeiter müssen verbotenerweise länger als zehn Stunden arbeiten und können nicht mal die Pausen nehmen. Die Leute sind völlig überlastet.“

Wartezeiten sind dennoch an der Tagesordnung – und das trotz des neuen Abfertigungssystems, bei dem die Kunden Nummern ziehen und damit an den nächsten freien Schalter verwiesen werden. Ursprünglich sollte die Wartezeit so auf fünf Minuten reduziert werden. Ein Insider: „Derzeit können aber nur 80 Prozent der Kunden innerhalb von zehn Minuten bedient werden, der Rest muss noch länger warten.“

Die Bahn räumt den Personalmangel ein, verteidigt aber die neuen Öffnungszeiten. Ein Sprecher zur tz: „Im Reisezentrum haben wir die Öffnungszeiten bereits reduziert, in der Haupthalle passen wir sie jetzt an. Wir wollen die Schalter überall einheitlich nur noch von sieben bis 21 Uhr öffnen. Kunden außerhalb dieser Zeit kommen mit den Automaten zurecht. Die Bahn sieht in den neuen Verkaufszeiten eine Verbesserung für die Bedürfnisse der Mehrzahl der Reisenden.“

Der Personalmangel soll behoben werden: „Wir setzen 20 zusätzliche Mitarbeiter ein“, sagt der Bahnsprecher. Das dürfte nur die halbe Wahrheit sein: Nach tz-Informationen stellt die DB 30 Mitarbeiter ein, allerdings haben rund 45 gekündigt.

Karl-Heinz Dix

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