Kampf gegen Isar-Müll

"Müllfeen" zu sexy: Jetzt müssen Rentner ran

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„Müllfeen“ bei der Arbeit: Junge Damen sollten Passanten an der Isar dazu auffordern, Müll zu vermeiden. Doch ihre frivole Aufmachung brachte ihnen bei den Grünen Sexismus-Vorwürfe ein.

München - Mit langen Beinen und frechen Sprüchen sollten sie auf das Müllproblem an der Isar aufmerksam machen: die „Müllfeen“. Doch Sexismus-Vorwürfen müssen sie weichen - künftig klären rüstige Rentner in Rikschas auf.

Am Anfang war der Müll. Um auf das Problem mit liegengebliebenen Verpackungen und Bierflaschen an der Isar aufmerksam zu machen, riefen Hartmut Keitel und Michael Knoch von der Werbeagentur „keitel & knoch“ 2010 die Initiative „Deine Isar“ ins Leben. Unterstützt werden die beiden von den Isarfischern und dem städtischen Baureferat. Plakate mit Sprüchen wie „Ganze Kerle – ganze Flaschen“ säumen die Isar und sollen Denkanstöße für mehr Sauberkeit geben.

Für diesen Sommer hatten sich die Initiatoren von „Deine Isar“ neue Aktionen einfallen lassen, unter anderem sollten junge Frauen an den Wochenenden als „Müllfeen“ in einer Rikscha an der Isar entlang radeln und Mülltüten verteilen. Doch noch bevor die Feen richtig loslegen konnten, wurden sie auch schon zurückgepfiffen. „Wir schicken sie erstmal auf Reha“, berichtet Keitel. Man werde sie zunächst durch „rüstige Rentner“ ersetzen.

Der Hintergrund: Nach der Vorstellung der Müllfee-Kampagne sahen Keitel und Knoch sich Sexismusvorwürfen ausgesetzt. Die Mädchen, die das Projekt zusammen mit Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) vorgestellt hatten, darunter Keitels Tochter, trugen kurze Hosen und Röcke. Auf ihren T-Shirts standen Sprüche wie „Müllfee? Mach’s dir doch selbst“ und „Dreckskerle kriegen nie was rein“. Die Provokation mit den Sprüchen war gewollt, erklärt Keitel. Man wollte bei der Hauptzielgruppe, den jungen Leuten, Aufmerksamkeit erregen.

Die Münchner Grünen fanden die Aktion jedoch nicht provokant, sondern sexistisch. „Willkommen im 18. Jahrhundert, München“ schrieb die Münchner Grünen-Vorsitzende Katharina Schulze in einer Pressemitteilung. „Frauen in pinken Hot Pants, als Müll-Feen deklariert, verteilen Mülltüten. Sexismus pur!“, lautete ihr Urteil.

Keitel kann die Vorwürfe nicht verstehen: „Ich finde, die Sprüche kennzeichnen doch eine starke Frau.“ Man habe ihn absichtlich missverstanden. Dass die Müllfeen kurze Hosen tragen, sei auch nicht Teil der Kampagne gewesen. Er vermutet hinter der Kritik eine innerparteiliche Intrige. Da Schulze und andere Grüne Stadträtin Sabine Nallinger gerne als Bürgermeisterkandidatin hätten, wollten sie Montazeder, der mit den Müllfeen posierte, auf diese Weise diskreditieren. „Wir wurden als politisches Werkzeug missbraucht“, meint Keitel.

Nach der öffentlichen Kritik der Grünen wurde Keitel sogar zur Gleichstellungsstelle der Stadt zitiert. Doch selbst dort habe man den Sexismusvorwurf in Frage gestellt. Auch Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), Schirmherr der Aktion, hat „Deine Isar“ weiterhin seine Unterstützung zugesichert. Keitel ärgert sich darüber, dass die Aktion unter den Vorwürfen gelitten habe. „Das hat die Arbeit von eineinhalb Jahren in Frage gestellt“, sagt er. „Aber wir haben uns nichts vorzuwerfen.“

Um den Kritikern trotzdem jeglichen Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Keitel sich dafür entschieden, statt junger Mädchen nun ältere Herren in die Rikscha zu setzen, damit sie Mülltüten verteilen. Mitglieder der Isarfischer hätten sich freiwillig gemeldet. An der Idee möchte man nämlich grundsätzlich festhalten. Die „rüstigen Rentner“ sollen voraussichtlich am kommenden Samstag, 28. Juli, das erste Mal auf Tour gehen, wenn das Wetter es zulässt. Keitel: „Da gibt es dann sicherlich keinen Sexismusvorwurf.“

Von Janina Ventker

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