Thomas R. lief mit Messer auf Beamte zu

Provozierte er die Polizeischüsse?

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In der Tatnacht hatte Thomas R. (25) 2,92 Promille im Blut – in Uffing soll er Polizisten bedroht haben, damit sie ihn erschießen.

München - Sein Haar hat er zurückgekämmt, zum Prozess trägt er ein feines Hemd. Thomas R. (25) sieht nicht aus wie ein Verbrecher – eher wie der perfekte Schwiegersohn. Aber der Logistiker trägt eine dunkle Seite in seiner Persönlichkeit.

Laut Anklage des Landgerichts leidet der Mann aus Uffing (Lkr. Garmisch-Partenkirchen) unter einer hebephrenen Schizophrenie. Eine Krankheit, die seine Stimmung völlig abflachen und sein Verhalten unkontrollierbar werden lassen kann. Umso schlimmer, dass R. sich am 6. Oktober 2013 hemmungslos betrunken hat. Denn noch in derselben Nacht versuchte er laut Anklage zwei Polizisten zu zwingen, ihn zu erschießen (Fachbegriff suicide by cop; deutsch: Selbstmord durch Polizeischuss). Wegen Nötigung und Körperverletzung wurde ihm der Prozess gemacht!

„Eine Bekannte erteilte mir eine Abfuhr“, sagt Thomas R. gestern vor Gericht. „Ich hatte Liebeskummer.“ Mit einem Spezl trinkt er zehn Bier in nur drei Stunden und leert auch noch eine Flache Reisschnaps. „Lebt wohl“, schreibt er danach mit 2,92 Promille im Blut auf Facebook. Und wählt vom Haus seiner Eltern in Uffing um 0.42 Uhr den Notruf. Dem Polizisten erzählt er von einem Mord. Und legt einfach auf. Binnen Minuten trifft ein Streifenwagen ein. Als zwei Beamte zur Haustür laufen, springt Thomas R. aus dem Gebüsch – in der Hand hält er ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge. Laut Anklage lief er damit brüllend auf die Polizisten zu. Ein irrer Kampf beginnt!

„Lass das Messer fallen“, warnt einer der Beamten Thomas R. und sprüht eine ganze Flasche Pfefferspray auf ihn. Laut Anklage gibt der Polizist auch einen Warnschuss in die Luft ab. R. aber nähert sich immer weiter mit dem Messer. Einer Polizistin bleibt keine Wahl: Sie feuert mehrere Schüsse auf die Beine des Angreifers ab, trifft aber nicht – trotzdem läuft er weiter auf sie zu und schreit. Auch ihr Kollege schießt auf die Beine von Thomas R., der im Wahn nun auf ihn zu rennt und bis zur Straße verfolgt, als der Beamte flieht. Erst ein nachfolgender Streifenwagen kann R. stoppen, indem er ihn anfährt. Danach die Festnahme!

„Ich kann mich an nichts erinnern“, sagt R. vor Gericht. „Nach dem ersten Schluck Schnaps hatte ich einen Blackout.“ Er ist seit März 2013 in der Psychiatrie untergebracht. Demnächst wohl dauerhaft. Urteil am 30. Januar!

Andreas Thieme

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