20 Prozent Mieterhöhung - Ist das erlaubt?

München - Mieterhöhung! Das hört keiner gern. Schon gar nicht Mieter der Münchner Immobiliengesellschaft GBW. Sie sollen ab Januar 20 Prozent mehr zahlen. Ist das erlaubt?

Um wie viel darf die Miete erhöht werden?

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Der Vermieter darf die Miete innerhalb von drei Jahren um insgesamt 20 Prozent erhöhen. Die Erhöhung kann er einmalig ansetzen oder den Betrag staffeln. Mindestens ein Jahr lang muss die Miete aber unverändert bleiben.

Welche Gründe gibt es für eine Mieterhöhung?

Die einzige Rechtfertigung ist, dass die derzeit bezahlte Miete nicht mehr der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht. Gestiegene Lebenshaltungskosten des Vermieters oder Familienzuwachs sind also keine akzeptablen Gründe.

Ist der Mietspiegel bindend für die Erhöhung?

Ja. Denn die Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete wird anhand des Mietspiegels durchgeführt. Will der Vermieter die Miete erhöhen, muss er diese Berechnung dem Mieter schriftlich nachweisen.

Hat jede Stadt einen Mietspiegel?

Nein. Den Mietspiegel für die Stadt München erstellt das Sozialreferat. Die Berechnung ist individuell: Größe, Lage und Ausstattung der Wohnung sind maßgebend. Hat eine Gemeinde keinen Mietspiegel, muss der Vermieter drei Vergleichswohnungen nennen und damit beweisen, dass die ortsübliche Vergleichsmiete höher ist als die derzeit bezahlte Miete.

Wann muss der Vermieter die Erhöhung ankündigen, und ab wann gilt sie?

Kündigt der Vermieter die Erhöhung im November schriftlich an, wird sie für den Februar wirksam. Zwischen Ankündigung und Inkrafttreten müssen also zwei volle Kalendermonate liegen. In dieser Zeit kann der Mieter überlegen, ob er die Erhöhung akzeptiert oder auszieht. Wichtig: Im Falle einer wirksamen Mieterhöhung hat der Mieter ein Sonderkündigungsrecht – er kann einen Monat früher raus.

Kann der Mieter der Erhöhung widersprechen?

Ja, wenn die Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete nicht richtig durch­geführt wurde. Das ist der Fall, wenn der Vermieter von einer anderen, besseren Ausstattung der Wohnung ausgegangen ist, diese Ausstattung aber nicht der Wirklichkeit entspricht. Das kann bei 80 Quadratmetern schon eine Differenz von 80 Euro ausmachen.

Wie ist die Wohnung bei Auszug zu hinterlassen?

Das ist im Mietvertrag geregelt – und oft ein Streitfall. Auch, wenn der Vermieter die Renovierung fordert, ist das nicht bindend. Denn viele Vertragsklauseln sind unwirksam. Hier ist es sinnvoll, den Vertrag von Fachleuten prüfen zu lassen. Wer sich direkt mit dem Vermieter einigt (etwa, dass die Wohnung zum Beispiel „besenrein“ übergeben wird), sollte das schriftlich festhalten.

Wer haftet bei Abnutzung oder Schäden?

Laufspuren im Teppich oder kleine Kratzer im Parkett gelten als Abnutzung und sind über die Zahlung der Miete abgegolten. Tiefe Kratzer vom Möbelrücken, Rotweinflecken, Brandlöcher oder kaputte Fenster sind dagegen Schäden. Die muss der Mieter bezahlen. Tipp: vor Einzug eine ­Haftpflichtversicherung abschließen!

Andreas Thieme

 

19,50 € pro Quadratmeter

Der Miet-Irrsinn in München und dem Umland geht ungebremst weiter: Laut aktueller Studie der Experten von „F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt“ kletterten die Preise in unserer Stadt auf durchschnittlich 11,90 Euro. Eine 75-Quadratmeter-Mietwohnung kostet in München demnach über 890 Euro!

Wahnsinn: Selbst Umlandgemeinden wie Unterschleißheim, Germering oder Fürstenfeldbruck liegen in dieser Studie vor Metropolen wie Hamburg oder Stuttgart!

Die teuersten Mietpreise in Deutschland

Rang Stadt Miete/qm Änderung zum Vorjahr Spanne
1 München 11,90 € + 1,4 % 8,20 - 19,50 €
2 Unterschleißheim 10,40 € + 4,0 % 9,20 - 11,40 €
3 Germering 9,90 € + 3,9 % 8,80 - 11,40 €
4 Dachau 9,90 € + 2,0 % 8,20 - 13,60 €
5 Frankfurt am Main 9,80 € 0,0 % 6,70 - 15,90 €
6 Heidelberg 9,60 € + 3,1 % 6,20 - 14,80 €
7 Konstanz 9,50 € + 1,5 % 6,80 - 12,30 €
8 Freising 9,30 € + 3,7 % 7,30 - 10,90 €
9 Tübingen 9,30 € + 1,4 % 7,40 - 11,20 €
10 Bad Homburg 9,20 € - 0,9 % 7,50 - 12,20 €
11 Freiburg im Breisgau 9,20 € + 2,5% 6,10 - 14,40 €
12 Oberursel (Taunus) 9,20 € + 1,7 % 7,10 - 10,80 €
13 Fürstenfeldbruck 9,00 € - 1,1 % 7,90 - 10,50 €
14 Stuttgart 9,00 € + 0,4 % 6,70 - 13,50 €
15 Hamburg 9,00 € + 0,9 % 5,20 - 19,80 €

Den Angaben liegen Preise für eine zehn Jahre alte 75-Quadrameter-Wohnung mit normaler Ausstattung zugrunde

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Rubriklistenbild: © dpa

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