Mann (32) verklagt LMU-Klinikum

Ärztepfusch? "Hätten sie mich lieber sterben lassen"

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Danilo R. (32) im Gerichtssaal.

München - Ein junger Mann muss nach einer Behandlung im Krankenhaus sein Leben lang im Rollstuhl sitzen. Er wirft den Ärzten vor, sein Leben verpfuscht zu haben. Das Gericht muss nun die Schuldfrage klären.

Danilo R. (32, Name geändert) wird im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren. Er ringt mit den Tränen, dann sagt er: „Hätte man mich doch lieber im Krankenhaus sterben lassen!“ Da muss sogar Richter Thomas Steiner schlucken. Er verhandelte am Oberlandesgericht die Berufung von Danilo R., der das Klinikum der LMU verklagt und 434 000 Euro Schmerzensgeld fordert.

Vor Gericht wurde nun die Leidensgeschichte des Patienten besprochen. Es geht um die Frage: Sind Ärzte schuld an Danilos schlimmen Schicksal?

Der Familienvater ist übergewichtig und leidet an Diabetes. Am 28. Mai 2010 hat er plötzlich starke Schmerzen im Oberbauch und fährt zur Notaufnahme der LMU-Klinik. Erster Verdacht: Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Ärzte ordnen eine Blutwäsche plus Katheter an und versetzen R. in Vollnarkose. Nach der OP muss er auf die Intensivstation.

Zwei Tage später stellen die Ärzte fest, dass R. einen Schlaganfall hatte. „Seitdem ist meine linke Körperhälfte gelähmt.“ Danilos Vorwurf: Ärzte hätten den Anfall sofort erkennen müssen. „Dann wäre mein Leben jetzt nicht verpfuscht. Um Frau und Kind kann ich mich kaum kümmern, ich brauche ja selbst Hilfe.“ Auch Arbeiten kann R. nicht. Und will mit der Klage den Verdienstausfallschaden ersetzt haben – bis zum 65. Lebensjahr 1,74 Millionen Euro.

Das Landgericht hat Danilos Klage bereits im Oktober 2014 abgewiesen. Ein Gutachter hatte den Schlaganfall als „schicksalhafte Komplikation“ bezeichnet, die erst nach der OP eingetreten wäre. Die Ärzte treffe keine Schuld. Dagegen legte Danilo am OLG Berufung ein. „Es handelt sich um einen schweren Fall“, sagt Richter Thomas Steiner. Er wird sein Urteil am 6. August verkünden und wünschte R. viel Kraft. Der sagte nur: „Ich werde lebenslang im Rollstuhl sitzen. An Gerechtigkeit kann ich nicht mehr glauben.“

Andreas Thieme

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