Gefängnis Stadelheim

NSU: Zschäpe sitzt jetzt in München

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Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess

München - Die Hauptangeklagte im Prozess um die Terrorzelle NSU, Beate Zschäpe, ist fortan im Gefängnis München-Stadelheim untergebracht.

Beate Zschäpe ist in Obergiesing angekommen: Seit Dienstag sitzt die mutmaßliche Rechtsterroristin in der JVA Stadelheim. Dort wartet die 38-jährige Hauptangeklagte im Prozess gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) nun auf den ersten Verhandlungstag am 17. April.

Nach Angaben des Justizministeriums wurde Zschäpe am späten Dienstagnachmittag mit dem Hubschrauber nach Stadelheim gebracht. Zuvor war sie in Köln inhaftiert gewesen. Sie befindet sich seit ihrer Festnahme am 8. November 2011 in Untersuchungshaft.

Einer der vier Mitangeklagten im NSU-Prozess sitzt bereits seit vergangenem Oktober in Stadelheim: der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben (38). Zu einer Begegnung mit Zschäpe darf es aber erst auf der Anklagebank kommen: Frauen und Männer sind in verschiedenen Gebäuden innerhalb der JVA untergebracht. „Es liegt eine Straße dazwischen, sie haben verschiedene Höfe“, sagt Wilfried Krames, Sprecher des Justizministeriums.

Größtes Verfahren der deutschen Justizgeschichte

Weitere Details zu den Haftbedingungen von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben bleiben streng geheim – „aus Sicherheitsgründen“, wie das Oberlandesgericht mitteilte. In den letzten Tagen hatte es immer wieder Gerüchte um einen Besuch Beate Zschäpes bei ihrer Großmutter in Thüringen gegeben. Angeblich war der 38-Jährigen erlaubt worden, vor ihrer Verlegung nach München einen Zwischenstopp in Gera einzulegen. Nach einem Bericht der „Thüringer Allgemeinen“ wurden die Vorbereitungen für eine kurzfristige Aufnahme Zschäpes im dortigen Gefängnis aber wieder gestoppt. Es heißt, der Gesundheitszustand der 89-jährigen Großmutter sei zu schlecht.

Der NSU-Prozess gilt als eines der größten Verfahren der deutschen Justizgeschichte. Beate Zschäpe ist unter anderem wegen zehnfachen Mordes angeklagt: Sie soll maßgeblich an den Taten des NSU beteiligt gewesen sein. Zschäpe ist die einzige Überlebende des Terror-Trios, das jahrelang unentdeckt im Untergrund lebte und neun ausländische Kleinunternehmer sowie eine Polizistin getötet haben soll. Die vier mitangeklagten Männer gelten als Helfer der Rechtsterroristen – Ralf Wohlleben etwa ist wegen Beihilfe zum neunfachen Mord angeklagt. Er soll die Tatwaffe beschafft haben.

Im Vorfeld des Prozesses steht wie berichtet der Verhandlungssaal im Münchner Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße in der Diskussion: Mit nur jeweils 50 Plätzen für Zuschauer und Presse sowie beengten Verhältnissen für die mehr als 100 Prozessbeteiligten sei der Schwurgerichtssaal A101 viel zu klein, heißt es immer wieder. Anwälte der Opferfamilien und Politiker kritisieren, dass dem öffentlichen Interesse nicht genügt werde.

Um möglichst gute Bedingungen zu schaffen, wird der Saal derzeit umgebaut. Es soll zusätzliche Arbeitsplätze für die Vertreter der Nebenklage geben, außerdem eine neue Mikrofon-Anlage. Um die Sicht für alle Beteiligten zu verbessern, soll eine Kamera das Geschehen einfangen und an die Wand des Saals projizieren. Eine Video-Übertragung in einen anderen Saal, wie es etwa in Norwegen beim Prozess gegen den rechtsradikalen Massenmörder Anders Breivik gemacht wurde, ist in Deutschland nach Angaben des Gerichts nicht zulässig. Am morgigen Freitag wird der umgebaute Saal der Presse gezeigt.

Ann-Kathrin Gerke

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