Schlägerei im Rausch

Prozess: Asylbewerber tötet beinahe Mitbewohner

Ein Asylbewerber hat in einer Münchner Flüchtlingsunterkunft im Rausch fast einen Mitbewohner getötet. Nun stand er vor Gericht - und spricht von „Ministichen“ mit dem Messer. 

München - Gewalt war für Omar A. stets ein relativer Begriff. Als der junge Somalier im September 2016 mit einem Messer auf einen Mitbewohner losging, hatte er nach eigener Aussage nicht die Absicht, ihn zu töten. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Seit Montag steht der 25-Jährige wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht München.

Es hätte ein vermutlich typisch belangloser Abend unter Männern werden können. In einer Münchner Asylunterkunft saßen sieben Flüchtlinge beinander. Es wurde getrunken, geratscht und gelacht – bis plötzlich kein Alkohol mehr vorhanden war. „Wer hat noch Geld“, rief das spätere Opfer. Der Angeklagte wollte nichts rausrücken, doch ihm hing der tags zuvor gefüllte Geldbeutel halb aus der Hose. Da griff das Opfer ihm in die Tasche. Omar A. haute ihm auf die Hand und „erntete“ Faustschläge, die ihm den Kiefer brachen, das Blut lief ihm aus dem Mund. Rasend vor Schmerz und benebelt von sieben Flaschen Bier sowie einer halben Flasche Jägermeister zückte er ein Messer und „haute“ auf seinen Peiniger ein, wie vor Gericht sagte. „Ich war besoffen, ich war wütend, ich wollte schlagen, und ich wollte das Geld zurück“, übersetzte die Dolmetscherin. „Man kann mit einem Messer stechen oder schneiden, was haben Sie also gemacht?“, fragte Richter Michael Höhne. „Es waren Ministiche“, sagte der Somalier. Und da, wo er hingezielt hätte, sei es nicht gefährlich gewesen. Die Bauchverletzungen seien nur durch Abwehrversuche entstanden, bagatellisierte er seine Attacke. „Ist das nicht besonders gefährlich, wenn Sie gar nicht sehen, wo Sie hintreffen?“, hakte der Richter nach. Aus heutiger Sicht schätze er das auch so ein, erwiderte der 25-Jährige, doch damals sei er so aufgebracht gewesen, dass er nicht wirklich nachgedacht hätte.

Als sein Landsmann ganz fürchterlich zu schreien begann, ließ er von ihm ab. Der junge Mann flüchtete in ein anderes Zimmer, wo er stark blutend zusammenbrach. Er wurde ins Pasinger Krankenhaus gebracht und notversorgt. Omar A. musste mit seinem gebrochenen Kiefer ebenfalls medizinisch versorgt werden. Zwei Tage später kam er in U-Haft. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © dpa

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