1860 trauert um „Atom-Otto“

1860 trauert um „Atom-Otto“

Künstliche Befruchtungen vermittelt

Prozess um Baby-Betrug: Geringe Strafe für Angeklagten

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Gegen Geldauflage von 2850 Euro wurde der Prozess gegen Thomas P. eingestellt.

München - Weil er Frauen künstliche Befruchtungen mit bis zu 18 befruchteten Eizellen im Ausland vermittelt haben soll, stand der ehemalige Leiter eines Kinderwunschzentrums vor Gericht.

Für viele Frauen ist es ein lang gehegter Traum. Weil es bei manchen nicht klappt, ist das Kinderkriegen aber auch zum Geschäft geworden. Kinderwunschzentren helfen bei der Beratung für eine künstliche Befruchtung, Spezialisten führen den Eingriff durch. Das kostet tausende Euro. Und läuft nicht immer so ab, wie es das Gesetz verlangt.

In einem aktuellen Fall wurde Thomas P. (63, Name geändert) vom Amtsgericht zu 2800 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er Frauen künstliche Befruchtungen mit bis zu 18 befruchteten Eizellen im Ausland vermittelt haben soll. Laut deutschem Recht ist eine Therapie aber untersagt, bei der innerhalb eines Behandlungszyklus mehr als drei Embryonen entstehen. Dem ehemaligen Leiter des Kinderwunsch-Informationszentrums Deutschland wurde deshalb Beihilfe zur missbräuchlichen Anwendung von Fortpflanzungstechniken vorgeworfen.

Über seinen Verteidiger Sewarion Kirkitadse bestritt Thomas P. die Vorwürfe vor Gericht. Er soll laut Anklage aber 381.209,61 Euro daran verdient haben, insgesamt 5394 Frauen an eine Klinik in Österreich vermittelt zu haben. Als das heraus kam, verlor er seinen Job, auch seine Frau trennte sich von ihm. Heute ist Thomas P. angeblich pleite, deshalb muss er nur so wenig Strafe zahlen. Immerhin: Etlichen betroffenen Frauen bleibt nun die Aussage erspart. Durch das schnelle Urteil sparte sich das Amtsgericht aber auch, 19 Frauenärzte als Zeugen vorzuladen. Die hätten wohl jeweils rund 2500 Euro Auslagen geltend gemacht.

A. Thieme

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