1. tz
  2. München
  3. Stadt

Prozess: Frau will mit behinderter Tochter sterben

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

München - Vor dem Münchner Schwurgericht hat am Dienstag gegen eine 61 Jahre alte Angestellte der Prozess wegen Mordversuchs an ihrer geistig behinderten Tochter begonnen.

Die Mutter hat zum Auftakt der Verhandlung gestanden, nach dem Tod ihres Mannes ihrer damals 22-jährigen Tochter im Juli 2008 eine Überdosis von Medikamenten verabreicht und selbst eine noch höhere Konzentration der Präparate eingenommen zu haben. Sie habe "für immer einschlafen" und mit der Fürsorge für das behinderte Mädchen nicht ihre zwei älteren Töchter belasten wollen. Eine der beiden hatte Mutter und Schwester bewusstlos in der Garage aufgefunden und gerettet.

Der 15 Jahre ältere Mann der Beschuldigten war völlig überraschend gestorben, die Witwe blieb auf den Raten für eine Doppelhaushälfte am Ammersee sitzen. Viel mehr habe sie unter der Sorge um die behinderte Tochter gelitten. "Ich bin sehr verzweifelt", hat die 61-Jährige nach der Tat zu Protokoll gegeben. Ihr Mann habe sich sehr um die Tochter gekümmert, "diese Hilfe habe ich jetzt nicht mehr". In einem Brief hat sie damals geschrieben: "Ich kann nicht weiterleben."

Ein Psychiater hat in seinem schriftlichen Gutachten eine "depressive Episode" diagnostiziert mit der Folge einer zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit. Die 61-Jährige ist vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Ihre jüngste Tochter lebt unter der Obhut ihrer 37-jährigen Schwester im Elternhaus, tagsüber besucht sie eine beschützende Werkstätte. Ihre Mutter will nach der Entlassung aus dem Gefängnis oder der Psychiatrie "die Therapie fortsetzen und mich um meine Tochter kümmern". Sie vermisse das Mädchen sehr, sagte die Beschuldigte unter Tränen.

Der Prozess dauert an.

dpa

Auch interessant

Kommentare