Betrüger gesteht vor Gericht

So prellte er Deutschlands Reichste um zwei Millionen Euro

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Uwe S. (53) hat die Vorwürfe gestanden.

Das Hochzeitsgeschenk des wohl reichsten Deutschen an seine Ehefrau nahm ein Betrüger zum Anlass, diese um zwei Millionen Euro zu prellen. Vor Gericht erklärte er seine Tat.

München - Der Mann, der die Superreichen um ihr Geld gebracht hat, ist ein Schlacks. An die zwei Meter ist Uwe S. (52) groß. Und er hat dieses gewisse Lächeln, das wohl die meisten Menschen in ihren Bann ziehen würde: sympathisch, gewinnend, mit hoher Überzeugungskraft. Selbst vor Gericht tritt Uwe S. gewinnend auf. Doch in Wirklichkeit ist er ein Betrüger. Und muss demnächst wohl ins Gefängnis.

Denn S. hat seine Frau Anna (Name geändert) um ihr Geld gebracht. Sie ist die Frau des reichen Industrie-Managers Stefan Reimann (53). Man könnte auch sagen: dem Reimann. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ listete ihn 2016 mit seinen Geschwistern als reichste Deutsche überhaupt, noch vor den Aldi-Erben.

Selbst Richterin Petra Wittmann staunte, mit wem sie es da zu tun hat: „Der Familie Reimann gehört ein erhebliches Milliarden-Vermögen“, sagte die Vorsitzende. Bis zu 30 Milliarden Euro sollen es laut „Bilanz“ sein. Bekannt ist, dass die vier Geschwister diverse Firmenanteile halten – unter anderem Beteiligungen an dem Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser: einem britischen Konzern, der mit neun Milliarden Pfund Umsatz an der Londoner Börse notiert ist. Wer so viel hat, ruft oft Neider auf den Plan – oder auch Betrüger. So erging es Stefan Reimann im Jahr 2011.

Hochzeitsgeschenk wird zum Betrugsobjekt

Als Hochzeitsgeschenk wollte er seiner Frau Anna eine Immobilie in New York schenken, die ihr auch als finanzielle Absicherung dienen sollte. Doch um das Geschäft abzuwickeln, vertraute sie einem Vermögensverwalter, der in Wirklichkeit gar keiner war: Uwe S. hatte die Milliardärs-Gattin im Oktober 2011 bei einem Meeting im Bayerischen Hof kennengelernt. Als sie von der US-Immobilie erzählte, prahlte er mit seiner internationalen Erfahrung.

Anna fasste Vertrauen – und täuschte sich bitter. Denn sie beauftragte S. im November 2011 mit dem millionenschweren Geschäft: In der Schweiz sollte er eine Aktiengesellschaft gründen, die die Immobilie in den USA aufkauft und seiner Frau Anna als Inhaberin überschreibt. Steuerlich sollte das große Vorteile bringen – so der ursprüngliche Plan. Doch von den vorgestreckten zwei Millionen Euro, die Uwe S. als Vermögensverwalter am Ende der drei vereinbarten Transaktionen auf ihr Konto überweisen sollte, sah sie am Ende keinen Cent. Denn Uwe S. hatte das Geld bereits privat ausgegeben: für einen Rolls-Royce, einen Chauffeur und für eine Luxus-Jacht in St. Tropez.

Der Betrüger hat noch deutlich mehr Schulden

„Ich bitte um Vergebung“, sagte der Angeklagte am Donnerstag vor Gericht. Er habe Wunsch und Wirklichkeit oft nicht auseinanderhalten können. Und stattdessen ein ausuferndes Leben geführt, das seine finanzielle Basis längst verloren hatte. Entsprechend merkte Verteidiger Hans-Ulrich Beust an: „Die Verhaftung war für meinen Mandanten eine Befreiung.“

Heute drücken Uwe S. 4,5 Millionen Euro Schulden, davon zwei Millionen aus dem Betrugsfall. Allein beim Finanzamt hat er Verbindlichkeiten in Höhe von 990.000 Euro. Dem Betrüger droht nun eine Haftstrafe. In der kommenden Woche soll Anna R. gegen ihn aussagen.

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