Mordfall Kornelia: Täter nach 26 Jahren vor Gericht

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Kornelia St. wurde 1985 getötet. Mit moderner Technik kam die Polizei dem Täter nun auf die Schliche

München - Es geschah am 6. Juli 1985: Die 26-jährige Münchnerin Kornelia St. wurde in ihrer Wohnung in Freimann von einem Einbrecher erschlagen.

Von Montag, 1. August an, 26 Jahre später, soll der Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Ein 49 Jahre alter Kraftfahrer muss sich wegen Mordes vor dem Münchner Landgericht verantworten. Er soll seinerzeit in Freimann in das Appartement eingebrochen sein, um Geld und Wertsachen zu erbeuten. Laut Anklage erschlug er dabei die aus dem Schlaf erwachende Kornelia St. und flüchtete mit rund 130 Euro. Mit einem Handabdruck am Tatort wurde der mutmaßliche Täter überführt. Im Oktober 2010 wurde er verhaftet. Die Staatsanwaltschaft gab damals bekannt, der Kraftfahrer habe die Tat gestanden. Er sei „erleichtert, dass es endlich raus ist“, hieß es.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der Mann damals seinen Lebensunterhalt mit Einbrüchen bestritten. Er sei vor und in der Tatnacht mehrmals in die Räume einer Studenten-WG eingedrungen, habe dabei aber nur geringe Beute gemacht. Ein Foto am Tatort überführte ihn damals als Einbrecher, 1986 wurde er zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Mord an der jungen Frau in einer Nachbarwohnung konnte ihm zunächst nicht nachgewiesen werden. Erst als ein Handabdruck vom Tatort mit der modernen Technik des „Automatischen Fingerabdruck-Identifizierungssystems“ (AFIS) untersucht werden konnte, geriet er in dringenden Tatverdacht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte wegen der geringen Beute bei der Wohngemeinschaft eine weitere geeignete Wohnung zum Einsteigen suchte. In dem Appartement des späteren Opfers im Hochparterre habe die Balkontür offen gestanden.

Der damals 23-Jährige kletterte laut Anklage über die Brüstung und weckte durch sein Eindringen die schlafende Bewohnerin. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass der Mann die Frau tötete, weil er Angst vor Strafe hatte und die Räume ungestört durchsuchen wollte. Mit einem unbekannten Gegenstand habe er auf die überraschte Frau eingeschlagen und die Schwerverletzte hilflos liegengelassen, als er mit dem Geld vom Nachttisch flüchtete. Die 26-Jährige erlag ihren Hirnverletzungen, ihre Leiche wurde am späten Vormittag von zwei Studenten gefunden. Gegen den mutmaßlichen Täter wird voraussichtlich an sieben Tagen verhandelt. Seit 2002 werden ungelöste Altfälle wie der von Kornelia St. systematisch von der Münchner Polizei immer wieder nachbearbeitet, denn häufig ergeben sich durch technischen Fortschritt neue Ermittlungsansätze. Insgesamt 110 ungeklärte Tötungsdelikte, teils aus den 60er-Jahren, wurden seitdem neu aufgerollt. Kornelia St. ist eines von 20 Opfern, deren Tod dadurch geklärt wurde.

dpa/jop

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