Lebenslange Haft gefordert

Prozess um „Mord ohne Leiche“

München - Im Münchner Schwurgerichtsprozess um den „Mord ohne Leiche“ hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag lebenslange Haft und Feststellung der besonders schweren Schuld des Angeklagten gefordert.

Nach Überzeugung von Staatsanwältin Nicole Selzam hat der 45-Jährige seine Lebensgefährtin im März 2013 wegen ihres Trennungswunsches umgebracht und die Tote an einem zunächst unbekannten Ort abgelegt. Erst sechs Monate nach Erhebung der Anklage wurde die Leiche dank eines anonymen Hinweises gefunden. Die Verteidigung beantragte mangels Tatnachweises Freispruch. Am 21. Mai soll das Urteil gesprochen werden.

Die langjährige Verbindung des Deutschen mit türkischen Wurzeln und der Slowakin war laut Selzam zerrüttet. Während die 36-jährige Frau ganz in den beiden gemeinsamen Kindern aufging, „hing der Angeklagte einfach nur herum“. Sie habe spätestens im Herbst 2012 die Trennung beschlossen, ihm die Gründe unmissverständlich mitgeteilt und ihn zum Auszug aus ihrer Wohnung aufgefordert. Er sei dazu nicht bereit gewesen, habe die Beziehung unbedingt fortsetzen wollen und das spätere Opfer psychisch massiv unter Druck gesetzt bis hin zur Vortäuschung einer Krebserkrankung.

Die 36-Jährige blieb hart. Sie hatte zum Schluss Angst vor dem Angeklagten, wie Zeugen in der sechsmonatigen Beweisaufnahme aussagten. Am 12. März kündigte er für abends seinen Besuch an. Sie informierte ihren neuen Partner und eine Freundin und bat, die Polizei zu benachrichtigen, wenn sie sich nicht mehr melde. Das waren ihre letzten Lebenszeichen. Der Angeklagte lieferte in der Folge ein halbes Dutzend unterschiedliche Versionen vom Aufenthalt der Frau. Deren Pass war in der Wohnung, von ihrem Konto wurde kein Geld abgehoben, vor allem aber hätte sie nach Aussage aller Bekannten niemals ihre Kinder zurückgelassen. Der Angeklagte wurde unter Mordverdacht verhaftet.

Wut über missglückte Versöhnung

Nach Auffinden der Leiche 14 Monate später wurden am Kopf drei Verletzungen festgestellt, die der Rechtsmediziner auf heftige Schläge zurückführte. Selzam geht davon aus, dass der Angeklagte seine Ex-Lebensgefährtin nach einem letzten vergeblichen Versuch der Aussöhnung „aus Wut und Verärgerung“ geschlagen hat, das Opfer bewusstlos zu Boden stürzte und an eingeatmetem Blut erstickte.

„Das ist nur eine Wahrscheinlichkeit“, sagte Verteidiger Klaus Woryna in seinem Plädoyer, „eine eindeutige Todesursache konnte der Sachverständige nicht feststellen“. Nicht einmal ein Herzinfarkt sei ausgeschlossen.

Laut Plädoyer der Staatsanwältin hat der Angeklagte heimtückisch aus niedrigen Beweggründen dem Sohn und der Tochter die Mutter genommen. Der 45-Jährige habe aus der Haft heraus zu verhindern versucht, dass die jetzt sieben und fünf Jahre alten Kinder von den Eltern ihrer Mutter aufgenommen wurden, er hat - erfolglos - beim Familiengericht das Sorgerecht beantragt. „Das würde es schier unerträglich erscheinen lassen, wenn er nach 15 Jahren das Gefängnis verlassen könnte“, begründete Selzam die Forderung nach Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

dpa

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