FCB-Fan überfallen: Was die Verhandlung brachte

1860-Fans erscheinen mit FC-Bayern-Tüten vor Gericht

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Benedikt S. (links) und Robert O überfielen am Hauptbahnhof einen Bayern-Fan.

München - Zwei 1860-Fans, die einen FC-Bayern-Fan überfallen hatten, erschienen mit prall gefüllten Bayern-Tüten vor Gericht. So wollten sie dem Knast entgehen. Das kam dabei raus.

Es ist ein Urteil, das die Gemüter aller Fußballfans bewegt: Das Amtsgericht hatte zwei rabiate Löwen-Anhänger zu 15 Monaten Haft verurteilt, weil sie einen Bayernfan brutal ausgeraubt hatten. Vereinbart wurde aber auch: Die Haft müssen sie nicht antreten, wenn sie – als Täter-Opfer-Ausgleich der besonderen Art – im Fanshop des FC Bayern einkaufen. Sie sollten so Tobias G. die Kleidung ersetzen, die sie ihm nach dem Amateurderby in der Regionalliga am 12. August 2014 zerrissen und weggenommen haben.

Die beiden Rüpel hatten sich gegen dieses fan-tastische Urteil aus der ersten Instanz zur Wehr gesetzt. Zur Berufungsverhandlung am Mittwoch am Landgericht kamen Benedikt S. und Robert O. mit zwei dicken, roten Tüten. Darauf groß zu sehen: das Emblem des FC Bayern. Eingekauft hatten die beiden Janker, Fanshirts, eine Mütze und einen Strohhut – und zwar im Fanshop im Hauptbahnhof. Also da, wo sie Tobias G. auch attackiert hatten.

Dort hatten sie vorher angeblich eine Schlägerei beobachtet, an der G. beteiligt gewesen sein soll. Ein Irrtum! Trotzdem verfolgten die Löwen-Anhänger den Bayernfan, als er aus der U-Bahn ausgestiegen war. Im Sperrengeschoss raubten sie ihn aus. Nur, weil Tobias G. oberkörperfrei herumlief, wurde die Polizei überhaupt auf den Vorfall aufmerksam.

Am Mittwoch die Quittung für die beiden Löwenfans: Robert O. wurde zu zehn Monaten verurteilt, Benedikt S. zu einem Jahr – jeweils auf Bewährung. „Es tut uns sehr leid“, sagten beide.

Das Landgericht sprach gegen sie dennoch ein dreijähriges, bundesweites Stadionverbot aus, sowohl für alle Heimspiele von 1860-Mannschaften als auch für alle Stadien in Deutschland. Der Richter: „Sie wollten ihr Opfer demütigen. Diese brutalen Vorfälle nehmen immer mehr zu!“

Über ihre Verteidiger Christina Keil und Günter Reisinger akzeptierten die Löwenfans das Urteil, das damit rechtskräftig ist. Reisinger: „Sie haben ein Zeichen gesetzt und gezeigt, dass sie keine militanten Ultras sind, die lieber einsitzen als bei den Bayern einzukaufen.“

Persönlich konnten die Blauen die Kleidung aus dem Fanshop der Roten übrigens nicht übergeben. Opfer Tobias G. kam am Mittwoch nicht nur Verhandlung. Er war verhindert.

Andreas Thieme

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