Nach Münchner Amoklauf

Er drohte mit 100 Toten - und ist jetzt auf freiem Fuß

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Kurz nach dem Amoklauf in München schrieb Ljupco S. (r.) einen Droh-Brief.

München - Nach dem Amoklauf in München fand der Schrecken kein Ende: Etliche Trittbrettfahrer hatten Amokläufe angekündigt. So auch Ljupco S., der per Brief drohte, etliche Menschen in den Tod zu reißen. Er stand nun vor Gericht – aber ohne Konsequenzen! 

Am Ende lacht Ljupco S. (53), als wäre nichts gewesen. Schwungvoll steht er von der Anklagebank auf, bebedankt sich bei seinem Verteidiger Alexander Eberth und läuft dann zu seiner Frau Snezona, die er in die Arme schließt und küsst. Für einen Moment sieht es so aus, als wäre Ljupco S. der große Gewinner dieses Prozesses am Landgericht. Dabei wurde er kurz zuvor verurteilt: Wegen versuchter räuberischer Erpressung soll er in einer Psychiatrie untergebracht werden. Nur hat das für den Mazedonier keine Konsequenzen: Seine Anordnung wurde zur Bewährung ausgesetzt – nach dem Prozess verließ er das Gericht auf freiem Fuß.

Es ist ein Urteil, das für Außenstehende kaum zu verstehen ist. Denn Ende Juli hatte Ljupco S. hundert Menschen mit dem Tod bedroht. Nur vier Tage nach dem schrecklichen Amoklauf verschickte er einen Hass-Brief, in dem er ankündigte: „Falls ich mein Leben beenden muss, werde ich nicht acht oder neun oder zehn Menschen mitnehmen. Ich werde 80 oder 90 oder 100 Menschen mitnehmen.“ Und weiter: „Ich werde all diese Menschen mit mir zu Gott mitnehmen. Wie es sich anfühlen wird zu töten, das geht mir durch den Kopf.“

Trittbrettfahrer unterschrieb Droh-Brief mit vollem Namen

Diese gruseligen Worte schickte er per E-Mail an die australische Sozialbehörde, von der er auch Geld forderte – und unterschrieb mit seinem vollen Namen. So konnte die Münchner Kriminalpolizei den Trittbrettfahrer schnell finden: Zwei Tage später wurde S. verhaftet.

„Es tut mir so leid. Es war falsch, was ich getan habe. Bitte vergeben Sie mir“, sagte er gestern vor Gericht. Im Fernsehen hätte er den Amoklauf in München verfolgt – und sei wütend gewesen. „Das ist alles, woran ich mich nicht erinnere“, sagt Ljupco S. Seit Jahren leidet er an Schizophrenie und braucht täglich Tabletten. Angeblich waren diese am 26. Juli aber nicht in der Apotheke vorrätig gewesen – so sei es zu dem Brief gekommen, dem S. auch Fotos von trauernden Münchnern am OEZ beigelegt hatte.

Amoklauf am OEZ: Bilder des Polizeieinsatzes

Nach dem Amoklauf hatten die Behörden den Droh-Brief ernst genommen: „Bei uns schrillten die Alarmglocken“, sagte der Staatsanwalt. Ein Spezialkommando war ausgerückt und hatte auch Sprengkörper verwendet, um die Tür von Ljupco S. zu öffnen. „Er ist dringend behandlungsbedürftig“, sagte Verteidiger Eberth. „Aber seine Situation hat sich mittlerweile deutlich verbessert.“

Auch deshalb sprach Richter Gilbert Wolf eine Bewährung aus. „Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten war aufgehoben“, begründete er. Mit anderen Worten: Ohne Tabletten wusste Ljupco S. nicht, was er tat. Die Wirkung seines Briefes war dennoch verheerend: Gerade nach dem Amoklauf war die Polizei im Dauereinsatz – und kam an ihre Grenzen durch die vielen Trittbrettfahrer. Sie schürten zusätzliche Angst – in einer Stadt, die ohnehin unter Schock stand.

Und Ljupco S.? Er nahm den ersten Flieger – weg von München …

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